Samstag, 29. November 2008

Von Inseln, Stränden und freundlichen Kiwi's



Letzte Woche haben wir einen Tagesausflug nach Rangitoto Island unternommen. Die Insel ist ca. 30 Minuten Fährfahrt von Auckland entfernt und liegt direkt neben Motutapu Island. Das Besondere an Rangitoto ist das Alter der Insel. Sie existiert erst seit geschätzten 600 Jahren! Vor allem das Gebiet um Auckland herum ist stark vulkanisch beeinflusst und geprägt worden – deshalb ist hier auch alles so hügelig (z.B.: One Tree Hill,Mt Eden, ...). Immer noch brodelt hier die Lava 100 km unter der Oberfläche.

Vor ca. 600 Jahren also gab es einen großen unterozeanischen Vulkanausbruch an dieser Stelle und in einer gewaltigen Explosion und Eruption entstand das kleine Eiland Rangitoto. Die Maori, die damals auf Motutapu Island lebten haben die Entstehung von Rangitoto mit eigenen Augen gesehen, wie Fußspuren in der Lava beweisen. Die Insel ist immer unbewohnt geblieben und erst seit einigen Jahre gibt es dort Bäume, Büsche und Blumen. Überall ist schwarzes Lavagestein und wären wir Geologen, würden wir vermutlich die nächsten vier Monate hier verbringen um Gesteinsproben zu nehmen und interessante Analysen durchzuführen. Weil wir aber komplette Gesteinsbanausen sind, haben wir uns an der tollen Landschaft und den wunderschönen Kontrasten zwischen tiefschwarzem Lavagestein, sattgrünen Bäumen und Büschen und kristallklar-blauem Meerwasser gefreut.

Auf Rangitoto gibt es nichts, - was ein schöner Kontrast zu Auckland ist. Keine bewohnten Häuser, keinen Supermarkt, keinen Eisverkäufer – ganz und gar nichts. Es wird extrem heiß durch das schwarze Gestein und das flache Gebüsch, was uns sehr an Alpenwanderungen zwischen Latschen erinnert hat. Aber das Gestein fühlt sich unter den Füßen ganz anders an, als unsere Alpen. Glücklicherweise hatten wir viel Wasser und Verpflegung dabei, wenn man das vergisst sieht man nach ein paar Stunden ganz schön alt aus. Wir haben einen Coastal Track gemacht, der sich malerisch immer an der Küste entlangschlängelt. Auch eine Stelle an der verschiedene Schiffswracks gestrandet wurden (Müllablagestelle) haben wir uns angeschaut. Leider war von denen aber nicht mehr viel übrig. Vom Gipfel des Vulkans hatten wir bei strahlendem Sonnenschein eine tolle Aussicht über die umliegenden Inseln und nach Auckland hinüber. Der Vulkankrater ist ziemlich gross (sieht man bei Google Earth ganz gut) und richtig tief und wir sind in 15 Minuten einmal im Kreis herum gewandert. Da wird einem schon ganz schön mulmig, wenn man sich vorstellt mit welcher Wucht das Magma da rausgesprudelt sein muss. Beim Abstieg vom Gipfel musste ich sogar meine schon fast vergessenen Medizinkenntnisse hervorkramen. Eine Gruppe Kinder ist den Berg hinuntergerannt und einer flog im hohen Bogen hin. Bei den scharfkantigen Vulkansteinen ist das wirklich gar keine Freude. Der Arme! Und dann ist da ja immer noch eine kleine Sprachbarriere. - Wie sagt man auf englisch „bis du heiratest ist es wieder gut“?

Am Sonntag haben wir unseren Bussi bemüht und sind nach dem Morgengottesdienst in einer anglikanischen Kirche (die war fast direkt neben unserem Hostel) an die Westküste gefahren. Es ging durch ein großes Naturschutzgebiet, das extrem steile Berge und Täler hat. Unser armer Bussi hat richtig geschnauft und gestöhnt. Manchmal mussten wir ein Stück im ersten Gang fahren, weil es sooo steil war. Hinter uns war eine lange Autoschlange und alle 2-3 km kam eine Slow-Vehicle-Bucht, wo wir alle anderen vorbeigelassen haben. Die haben sich dann immer sehr gefreut und zum Dank gehupt.

Unser erstes Ziel an der Westküste (Tasmanische See) war Piha – was wir schließlich auch erreicht haben. Piha ist ein absolutes Surfparadies. In unserem Reiseführer steht, dass wenn man in Neuseeland einen Surfer sieht der einen abwesenden Blick hat, er entweder high ist oder von Piha träumt. An der Westküste gibt es viele dieser Black-Sand-Beaches.


Der schwarze Sand entsteht durch das Vulkangestein. Das Wetter war richtig ungemütlich und es hat ziemlich geregnet. Aber uns war das egal. Wir haben den riesigen Strand bewundert und die großen Wellen bestaunt. Natürlich waren wir barfuß im Wasser und es war gar nicht sooo kalt. Aber zum Schwimmen hat es uns bei dem Sauwetter dann doch nicht gelockt. Das Wasser ist glasklar und durch die Wellen entstehen hübsche Muster im Sand. Piha war ein Traum aber es kam noch besser ... Lyndon, der Steward mit dem wir hergeflogen sind, hat uns Karekare empfohlen. Dieser Strand ist ca. 30 Minuten von Piha entfernt und es gibt keine Busverbindung dahin, auch kein Dorf wie in Piha. Wir sind also dahin gefahren und waren restlos begeistert! Karekare ist bis jetzt der schönste Strand den wir gesehen haben!!! Hier wurde auch der Film „Das Piano“ gedreht. Es gibt auf der einen Seite dunkle Felsen im Wasser und eine riesige schwarze Strandfläche. Dahinter sind schwarze Sanddünen, auf denen man ganz wunderbar sitzen und über das endlose Meer schauen kann. Es gibt keine Häuser und keine Straßen, ringsum sind hohe Berge die komplett bewaldet sind und ein Urwaldgefühl vermitteln. Man hat das Gefühl KingKong kommt gleich irgendwo um die Ecke. Ausser uns waren nur zwei Schwimmer da. Könnt Ihr Euch das vorstellen? Wir waren wirklich alleine. Ein riesiger Strand, ein traumhafter Ausblick, eine atemberaubende Umgebung und da war fast niemand! – So was gibt es nur in Neuseeland!

Unser nächster Ausflug war am Mittwoch. Wir sind mit der Fähre von Auckland nach Waiheke Island gefahren. Waiheke liegt nochmal 20 Minuten Fährfahrt von Rangitoto Island entfernt und ist viel, viel größer als die Vulkaninsel. Hier wohnen auch zahlreiche Menschen. Vor allem die High Society von Auckland hat hier moderne Häuser mit riesigen Parks und richtigen Privatstränden. Weil die Insel so groß ist, haben wir uns Mountainbikes ausgeliehen und konnten den Verleiher sogar noch ein bißchen im Preis runterhandeln. Wir sind den ganzen Tag über ca. 35 km geradelt – wegen den zahllosen Bergen waren es aber gefühlte 70. Die Insel ist auch vulkanisch – wie sollte es auch anders sein – und man tut eigentlich nichts anderes als ständig einen Berg hoch und wieder runter und den nächsten Berg hochzufahren. Trotzdem war es ein sehr schöner Tag. Wir haben ein Olive Tasting gemacht. So eine Olivenfarm, die ihre eigenes Extra-Virgin (der Royce Rolls unter den Olivenölen) Öl pressen. Man konnte verschiedene Öle probieren und hat eine Führung durch die Anlage bekommen. Überhaupt kann man hier lauter Sachen testen – vor allem Wein. Wenn man wollte, könnte man den ganzen Tag auf Waiheke rumfahren (oder sich fahren lassen mit dem Bus) und kostenlos Weine probieren. Weil es ziemlich heiß war und wir ja per Rad unterwegs waren haben wir das aber lieber mal gelassen ... Bei den Fotos könnt ihr noch Bilder vom Strand Onetangi sehen. Auch den schönen Palm Beach haben wir besucht, dort aber keine Fotos mehr gemacht weil es dann ein angefangen hat zu regnen.

Spätabends sind wir von unserem Waihekeausflug zurückgekommen und dann losgefahren nach Ramarama. Dort haben wir die erste Nacht in unserem Bussi genächtigt. Vor allem ich habe mich darauf sehr gefreut. Das Hostelgewohne ging mir in der letzten Woche ziemlich auf die Nerven. Wir waren in einem 5-Bett-Zimmer untergebracht und ich war die einzigste Frau dort. Jede Nacht gabs ein schrecklich lautes Schnarchkonzert und beim Eintreten ins Zimmer wurde man von dem monströsen Gestank wieder hinausgestoßen. Da hat mich dann immer eine akute Fensteraufreißwut gepackt – zum Teil mitten in der Nacht, wenn ich vor Gestank aufgewacht bin. Dementsprechend froh war ich, dass wir nun wieder alleine sind...

Der Bussi ist wirklich sehr komfortabel und geräumig – sogar der Leo kann sich gut ausstrecken. Wir haben dort übernachtet, weil unser Van am nächsten Morgen in Pukekohe zu einem Komplettcheck sollte. Wir wollten nochmal sicher gehen, dass er rundum gesund ist und wir mit gutem Gewissen mit ihm durch die Lande ziehen können. Um 10 Uhr morgens haben wir ihn also bei PitStop in Pukekohe abgegeben. Die Werkstatt hat uns Lyndon (der Steward – siehe oben) empfohlen, ihn haben wir danach auch getroffen. Er kam an diesem Morgen von einem Flug aus Los Angeles zurück und hatte schon 36 Stunden nicht geschlafen. Trotzdem war er nicht davon zu überzeugen, dass wir uns später treffen. Er hat sich den ganzen Tag für uns freigehalten und uns in seinem Auto auf die Awhitu Peninsula kutschiert. Dort hat er uns die absoluten Einheimischen-Tipp-Plätze gezeigt. Wir waren am äußersten westlichen Punkt der Halbinsel bei einem supertollen Leuchtturm in Manukau Heads. Der Ausblick von dort war fantastisch! Durch die Manukau Bay kamen immer die großen Handelsschiffe nach Auckland – einige sind durch Riffe und gefährliche Strömungen kurz vor dem Ziel gestrandet oder gesunken. Auch zwei tolle weiße Sand- und Muschelstrände haben wir besucht (Waiuku Beach und Orua Beach) an denen wir auch wirklich gerne alle drei gebadet hätten – aber leider hat mein lieber Mann seine Badehose vergessen. Aus Solidarität haben dann auch Lyndon und ich verzichtet ...


Es gibt in der Nähe von Pukekohe ein kleines Dorf in dem es „huge ice cream“ gibt – natürlich mussten wir auch dort hin. Lyndon wollte ausserdem, das wir die Würstchen probieren für die Tuakau auch berühmt ist – das war uns dann aber doch ein bißchen zu viel mit dem Eis.
Alle Leute die wir auf unserem Tagesausflug mit Lyndon getroffen haben waren extrem nett. Sie waren sehr interessiert woher wir kommen und was wir hier machen. Bei einer Campingplatzbesitzerin durften wir das Telefon benutzen um bei PitStop anzurufen und zu fragen, wann wir unseren Bussi wieder abholen dürfen. Die Leute hier sind wirklich außergewöhnlich freundlich!

Unser Auto haben wir abends von der Werkstatt abgeholt. Der lustige Mechaniker (er hat gemeint dass wir uns lieber zwei Pferde hätten kaufen sollen anstatt der Kiste - ich war nicht dieser Idee gar nicht sooo abgeneigt) hatte ein paar Kleinigkeiten repariert (nicht schließendes Fenster, Kofferraum, ..) und kein schwerwiegendes Problem entdeckt. – Da waren wir sehr erleichtert. Er wollte nicht einmal irgendeine Bezahlung für den Check und die kleinen Reparaturen!

Bei Lyndon waren wir zum Abendessen eingeladen – es gab Spaghetti Bolognese auf neuseeländische Art (mit Sojasoße, Worcestersoße und Chinagewürz). Hat sehr lecker geschmeckt. Später kam noch sein Partner Angus (ein Juwelenverkäufer und ehemaliger Steward) von der Arbeit zurück und wir haben einen sehr lustigen Abend zusammen gehabt. Wir haben Ihnen deutsche Opern (sein Partner ist Opernfan) auf Englisch übersetzt und sehr viel gelacht. Es war so schön, dass es irgendwann zu spät war um noch loszufahren Richtung Norden. Also durften wir bei Lyndon und Angus im Hof im Bussi übernachten und haben heute sogar noch ein Frühstück von ihm serviert bekommen!!! Mit verschiedenen Kontaktadressen und Telefonnummern seiner halben Verwandtschaft versehen, haben wir uns dann heute von ihm verabschiedet. Auf unserem Weg in den Süden besuchen wir ihn aber auf jeden Fall noch einmal! Unglaublich wie ausgesprochen hilfsbereit, vertrauensvoll und freundlich die Menschen hier sind. Zuerst denkt man hinter dieser Freundlichkeit steckt irgendeine niedere Absicht, dass sie nur oberflächlich ist. Aber nein - die Leute sind hier so. Die Freundlichkeit kommt von Herzen.

Unseren Bus haben wir heute noch mit Aufklebern verschönert. Neuseelands Wahrzeichen ist ja der „Silver Fern“ – ein großer silberner Farn. Innen haben wir uns schon mit neuen Sitzbezügen, neuen Fußmatten und einem Lenkradschutz eingerichtet. Alles ist mit dem Silbernen Farn, also wollten wir auch außen noch einen zur Verschönerung draufkleben. In Pukekohe sind wir schließlich auch fündig geworden. Per Computer haben sie uns zwei Farne gedruckt und ausgestanzt und schließlich sogar noch aufgeklebt. Zuerst war ausgemacht, dass wir das selbst machen weil es dann billiger ist und nur 20 Dollar kostet. Am Schluß wollten sie dann gar nichts dafür. Unglaublich, oder!? Wir sind auf jeden Fall sehr stolz auf unser richtiges Kiwiauto.
Vor ein paar Tagen haben wir den Bus so richtig sauber gemacht, die Polster gereinigt, alles abgewischt, rausgesaugt, ... zum krönenden Abschluß wollten wir durch eine Waschanlage fahren. Das war ein sehr lustiges Erlebnis. Wir haben gewissenhaft überprüft, ob wir alle Fenster und Türen richtig geschlossen haben und dann gings los. Es ist immer toll in der Waschanlage, wenn es außen so richtig prasselt und föhnt und drinnen ist man trocken und warm. Tja... Zuerst wurde so eine spezielle Seifenlösung aufgesprüht und dann kam von vorne der uns umkreisende starke Wasserstrahl um alles abzuwaschen. Vorne war auch noch alles OK, aber bei den hinteren Fenstern kam plötzlich ganz viel Wasser durch, der Strahl wanderte weiter nach oben übers Dach – und plötzlich kam ein dicker Wasserstrahl durch die Decke (am Ende beim Kofferraum)! Wir waren total perplex und wussten überhaupt nicht was wir machen sollten ... dummerweise wollte ich es ganz genau machen und hab eine besonders gründliche Autowäsche am Anfang eingestellt. Also nochmal Seife ... wir haben nur noch geschrieen als wir die Seife gesehen haben. Denn nach Seife muss unweigerlich nochmal Wasser folgen ... und so war es natürlich auch. Nichts mit dem schönen trockenen, geborgenen Waschanlagengefühl .. Wir fuhren aus der Waschanlage: das Auto außen sauber und innen naß – und vorne zwei Bauchweh-lachende Weltreiser ...

Wir fühlen uns hier sehr wohl und sicher. Die Leute sind so lieb und hilfsbereit und vieles ist wie bei uns zuhause. Im Hostel haben wir jeden Abend selber gekocht und das war nach dem greisligen Essen in HongKong wirklich eine wahre Wohltat. Schmerzlich vermissen wir hier allerdings ordentliches Brot – es gibt leider nur Toast oder als Brot getarnten Toast. Vor allem ich leide unter akutem Gummibärchenentzug – hier gibt es nur ungenießbare Plagiate. Und nachdem ich ein paar verschiedene probiert habe, gebe ich nun auf und muss die Entzugssymptomatik ertragen ... Dafür haben wir unsere Liebe zu TimTamKeksen entdeckt. Sie sind mit Schokolade überzogen und sooooooooo lecker. Der Leo kauft sich fast täglich einen speziellen Brotaufstrich, aus getrockneten Tomaten und Nüssen, in den er ganz vernarrt ist. Wir haben schon beschlossen am Ende unseres Neuseelandaufenthaltes ein riesiges Paket voller Brotaufstriche und TimTamKekse nach Hause zu schicken ...

Ihr seht, wir sind wohlauf (inklusive Bussi) und genießen unsere Reise in vollen Zügen. Leo hat sein BMW-Projekt nun abgeschlossen (ich meine Studien leider noch nicht) und jetzt geht die Reise im eigentlichen Sinn los. Wir sind schon gespannt, was wir erleben werden ...

Rangitoto, Waiheke-Island, Piha, Karekare und Awhitu-Peninsula

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