Nach genau einer Woche sind wir nun von unser Northlandreise nach Auckland zurückgekehrt. Unser Bussi hat die erste Etappe gut verkraftet, an einigen Punkten müssen wir jedoch noch arbeiten...
Nach einem Vormittag starken Regens waren wir nicht gerade sehr erfreut zu bemerken, dass auch die Windschutzscheibe unseres lieben Gefährts undicht ist. Der Scheibenwischer wischt mit ausserordentlicher Präzision und Nachdrücklichkeit das Regenwasser in die porösen Dichtungen. - Und damit in den Innenraum. Nachdem wir zwei Tage vorher schon die scheunentorgroßen Rostkrater des Kofferraumdeckels mit zwei Tuben Silikon bedacht haben, müssen wir nun nur noch bei sehr starkem Regen unseren Bussi in die eigens zu diesem Zweck angeschaffte 4 x 6m große Plane einwickeln.
Nach unseren ausgiebigen und unfreiwilligen Wasserstudien waren wir nicht überrascht feststellen zu müssen, dass auch das dümmste Mosquito einen Weg in den verschlossenen Bussi und somit zu unseren Blutgefäßen findet. Einige Nächte haben wir die Mückenplage vergeblich zu bekämpfen versucht, indem wir uns vor dem Schlafengehen in widerlichem Anti-Mücken-Mittel gebadet haben. Die Mosquitos waren damit nicht abzuschrecken, dafür hat sich uns und dem Bussi sonst keine Menschenseele mehr freiwillig genähert. Mit der Taschenlampe wurde dann der Bussiinnenraum nach den surrenden Feinden abgesucht und diese mit wohlgezielten Schlägen vernichtet (und ihre Überreste in meine frischgewaschenen Vorhänge gebatzt). Leider haben sich während der kurzen beleuchteten Vernichtungsaktionen sofort mindestens doppelt so viele neue Quälgeister eingestellt. Nach vielen juckenden Tagen und schlaflos-surrenden Nächten sind wir nun um ein großes weißes Mosquitonetz reicher und ein blutrünstiges Problem ärmer.
Bekanntlich sollte man den Ninety Mile Beach nur mit kräftigen Allrad-Autos befahren. Selbst dann ist das Risiko noch groß steckenzubleiben, von der Flut überrascht zu werden und als eines der zahllosen gestrandeten Autowracks zu enden, die man massenweise links und rechts des langen Strandes findet. Ich war von Anfang an dagegen unseren armen betagten Bussi in die Gefahrenzone zu bewegen. Aber wie so oft hatte ich nicht mit meinem dickköpfigen und treudoofen Ehemann gerechnet. Wenigstens ein klitzekleines Bussi-am-Ninety-Mile-Beach-Foto muss man doch machen, nur kurz mal runterfahren - nicht weit, runter - Foto - wieder rauf, fertig... Was will man da machen? Tja, und so nahm das unabwendbare Schicksal seinen Lauf:
Runtergefahren sind wir ganz schnell - ist ja nicht weit von der Landstraße zum Strand. Auch das mit dem Foto war gleich erledigt. Lediglich das wieder Hochfahren entpuppte sich doch als etwas schwieriger als erwartet. (haha) Der arme Bussi ächzte und schnaufte, er nahm seine ganze Kraft zusammen - aber ohne Allrad haben seine kräftigen Hinterräder im weichen Sand einfach durchgedreht. Und dann auch noch gleichzeitig rückwärts den Berg hoch ... Zum Glück waren in der Nähe drei kräftige Männer die uns bereitwillig beim Schieben halfen. Die einzige Schwierigkeit war jetzt nurmehr die Frau am Steuer, die den Bussi rückwärts fahren und lenken musste. Schließlich haben wir's mit vereinten Kräften geschafft und die Photos waren den Aufwand wert.
Nach und nach entwickeln wir uns immer mehr zu richtigen Vanspezialisten. Nachdem die Reifen unseres armen Autos auf den Holper-Stolper-Pisten (Felsbrockenschotter, Schlaglöcher sind hier mannstiefe Krater, und kleine Senken machen jeder Achterbahn Ehre - so was nennt man NZ-Landstraße) im Norden sehr gelitten haben, hat der rechte Hintere das Zeitliche Gummileben gesegnet während wir in der traumhaften Matai-Bay friedlich geplanscht und das Pazifikwasser genossen haben. Wir waren sehr froh, dass uns der Reifen nicht in voller Fahrt um die Ohren geflogen ist. Sofort war ein freundlicher Herr da, der uns fachmännisch im Montieren des Ersatzrades unterstützt hat. Glücklicherweise haben wir gleich am nächsten Tag eine nette Werkstatt gefunden, die uns bzw. dem Bussi zwei neue Hinterreifen verpasst hat. Anscheinend war der sichere Tod des armen Reifens aber beschlossene Sache, denn gleich am nächsten Tag sind wir mit dem neuen Reifen durch eine fies plazierte Schraube gefahren. Also nochmal in die Werkstatt...
Auf den ersten 1600 km haben wir viel gesehen und erlebt. Hier bekommt ihr einen kleinen Überblick...
- Die Westküste Northlands ist für ihre Kauriwälder berühmt, die ursprünglich die gesamte Nordinsel NZ's bedeckten. Die gigantischen Bäume sind wegen ihres schönen und extrem harten Holzes sehr geschätzt. Wir haben dort ein Kauri-Reservoir durchquert und drei ganz besondere Prachtexemplare besucht: Den Größten (Tane Mahuta), den Breitesten (Te Matua Ngahere) und die Four Sisters - vier Bäume, deren Wurzeln ineinander gewachsen sind. Es gibt auch ein eigenes Kaurimuseum, das wir besichtigt haben. Alles was es über Kauris zu wissen gibt, erfährt man dort.
- Das Cape Reinga ist zwar nicht ganz der nördlichste Punkt Neuseelands, aber trotzdem ein ganz besonderer Ort. Hinter dem Leuchtturm treffen sich der Pazifik und die Tasmanische See - manchmal kollidieren sie in 10 m hohen Wellen. Ausserdem gibt es hier einen 800 Jahre alten Baum, den die Maori als heilig verehren. Nach ihrem Glauben beginnt die Reise der verstorbenen Seelen in den Wurzeln dieses Baumes. Leo ist gleich mal draufgeklettert und hat die Aussicht von oben genossen. - Nein, Spaß beiseite. Man darf nicht mal in die Nähe des Baumes weil er heilig ist.
- Unsere erste Begegnung mit dem Cape hatten wir an einem recht windigen und regnerischen Tag - die Aussicht war zwar nicht soo gut, dafür waren wir aber ganz allein. Einen Tag später haben wir bei super Wetter von dem nahegelegenen Campingplatz eine Wanderung nach Cape Reinga und weiter zum traumhaftem Te Werahi Beach gemacht. Wir wollten auch sehr gerne noch zum richtigen Nordkap, aber das Gebiet ist in Maoribesitz und man braucht eine besondere Genehmigung dafür.
- Von einer neuseeländischen BMW-Kollegin hat Leo den Rat bekommen, dass wir unbedingt auf die Karikari-Halbinsel fahren sollen. Wir haben dort in einer ganz tollen kleinen Bucht, der Matai-Bay, mit Sandstrand gebadet. Die Sonne war warm, das Wasser angenehm kühl (und eher unangenehm salzig), die Wellen sanft und das Urlaubsgefühl einfach perfekt...
- Hiermit nehmen wir offiziell alle unsere Fish&Chips-Urteile aus London zurück! Liebe Antje, danke für den Tipp! Im kleinen Fischerdörfchen Mangonui haben wir einen Zweitversuch gewagt und waren restlos begeistert. Mein lieber Mann entwickelt mittlerweile schon eine ausgeprägte Fish&Chips-Sucht.
- Unsere neuseeländischen Bekannten haben allesamt geraten, zumindest auf der Nordinsel nicht wild zu campen. Am besten immer auf Campingplätze, haben sie gesagt, weil es wohl doch einige böse Buben hier gibt. Die machen sich einen Spaß daraus harmlose Backpacker in ihren Vans so lang zu schütteln oder sogar umzukippen, bis sie alles rausrücken was sie haben. Wir haben uns getreulich an diesen Rat gehalten und hatten fast ausnahmslos gute Campingplätze. An der Westküste haben wir eine Nacht an den Kai Iwi Lakes übernachtet. Unser Bussi stand unter den Pinien am Sandstrand eines blauen Süßwassersees. Vor dem Frühstück sind wir eine Runde schwimmen gegangen. Am Cape Reinga hatten wir die zwei besten Campingplätze. Eine Nacht in der Tapotupotu Bay - direkt am Meer mit Sandstrand und nur drei weiteren Campern. Und eine Nacht in der Spirits Bay, mit Pferdenachbarschaft und einem gigantischen Strand (bestimmt 2 Stunden zu Fuß von einem zum anderen Ende). Einziger Wehmutstropfen: die Mückenplage (siehe oben).
- An der Ostküste befindet sich die schöne Bay of Islands. In dieser großen Bucht befinden sich über 120 Inseln und Inselchen - nur 4 von ihnen sind allerdings zugänglich. Alle anderen sind Kiwi- oder Vogelnaturschutzgebiete. Die Bay of Islands ist ausserdem die Wiege Neuseelands. Hier wurde die erste Siedlerstadt (Russell) errichtet und Kaptitän Cook hat hier mit den Maori ersten Kontakt aufgenommen. Wir haben eine halbtägige Schifffahrt gemacht und uns auf dem Katamaran die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Während unserer Fahrt haben wir eine große Delfinherde (heißt Schule) gesehen. Sie haben sich gern und oft in der Nähe unseres Bootes gezeigt. Leider war ein Delfinbaby dabei - sonst hätten wir mit ihnen schwimmen dürfen. Auch Russell haben wir besichtigt, hier steht die älteste Kirche Neuseelands und von einem Aussichtspunkt hat man eine großartige Aussicht über die Bucht.
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| Northland |

Liebe Miriam und Leo, Eure Reisebeschreibung ist schoen und sehr eindruecklich. Da kann man schon erahnen wohin wohl die ganze Verwandschaft und Bekanntschaft in den naechsten Urlaub fahren wird.
AntwortenLöschenLiebe Gruesse,
Alfred
Hallo ihr Beiden,
AntwortenLöschenhaben gerade euren Bericht gelesen und herzlichst an einigen Stellen geschmunzelt. Wir sind mittlerweile schon auf der Suedinsel und fliegen morgen mit dem Helicopter auf den Fox Gletscher und wandern dann 2Stunden durch das Eis...werden Anfang Januar den Rueckzug auf die Nordinsel wagen. Vielleicht schaffen wir es ja noch auf ein Treffen. Wir wuerden uns freun. Bis dahin...drive safetly!!!LG von Andre und Claudi