Bula!
Am 28.3. hat uns Air New Zealand innerhalb dreier Stunden vom beginnenden Herbst in den tropischen Sommer versetzt. Die Hitze und Luftfeuchtigkeit, die uns am Flughafen in Nadi erwartete, war wirklich ein drastischer Gegensatz zu dem was wir von den letzten Tagen und Wochen in Neuseeland gewohnt waren. Innerhalb kürzester Zeit waren wir komplett durchgeschwitzt und sehnten uns nach einem kühlen, trockenen Lufthauch, der aber irgendwie nie kam.
Nadi (gesprochen: "Nandi" - immer vor einem "d" spricht man hier ein "n"), ist nicht mehr als ein Dorf mit einem kleinen internationalen Flughafen auf der Hauptinsel der Fijis - Viti Levu. Eigentlich müsste Fiji Viti heißen. Die Ureinwohner haben ihr Land nämlich so genannt. Als Captain Cook in der Gegend herumsegelte hat er einen Bewohner von Tonga gefragt, wie diese Inselgruppe heißen würde. Durch die tongaische Aussprache und das fehlerhafte englische Verständnis von Cook, kam am Ende dann Fiji statt Viti dabei raus.
Unsere erste Woche haben wir ausschließlich auf Viti Levu verbracht. Wir wollten das Land, die Leute und ihre Kultur möglichst authentisch kennenlernen.
Mehrere Nächte haben wir im Haus einer fijianischen Familie verbracht. Die meisten Leute hier leben sehr einfach. Nur in den großen Städten gibt es Kanalisation und in der Fernsehwerbung laufen Spots, die die Bevölkerung zu mehr Hygiene aufrufen. Unser Zimmer mussten wir mit Küchenschaben, Geckos und anderem Getier teilen. Aber man gewöhnt sich an alles und trotz allem sind die Leute hier sehr glücklich und aufgeschlossen.
Anschließend sind wir mit den lokalen Bussen einmal um die Insel gegondelt. In diesen Holter-di-Polter-Gefährten waren wir immer die einzigsten Europäer und selbst unser Neuseeland-Bussi wäre im Vergleich zu diesen Abgasmonstern als umweltfreundlich, leise und emissionsarm bezeichnet worden.
In Fiji leben zwei Nationen in einem Land: Die ursprünglichen Einwohner - die Fiji's - und eine fast gleichgroße Anzahl Indo-Fiji's. Die Inder wurden ab 1880 von den Engländern ins Land gebracht um auf den vielzähligen Zuckerrohrplantagen zu arbeiten (die Ureinwohner waren zum Arbeiten nicht zu gebrauchen). Im Laufe der Geschichte Fiji's traten immer wieder Probleme zwischen den Ureinwohnern und den Indern auf. Dabei ging es um Politik, Landverteilung, Brauchtum und vor allem Religion. Indo-Fijianer sind zu 80 Prozent Hindu's, die sich zwar von dem indischen Kastenverständnis getrennt, ihren Glauben aber sehr streng ausüben. Die Fijianer haben sich alle von ihrem Ahnenglauben getrennt und nehmen ihr Christentum sehr ernst. Sonntags fahren kaum öffentliche Busse, Geschäfte und Märkte sind geschlossen und jeder geht mindestens einmal zum Gottesdienst.
Wir haben so einen Gottesdienst besucht und leider kein einziges Wort verstanden - alles war auf Fiji (L.: mich hat der gestenreiche Prediger an die Rede von Charlie Chaplin bei der "Grosse Diktator" erinnert und ich musste versuchen nicht zu lachen). Trotzdem merkt man, dass die Leute hier mit ganzem Herzen bei der Sache sind. Die Lieder werden so inbrünstig und schön gesungen, dass man eine Gänsehaut kriegt. Die Gottesdienstbesucher sind aufmerksam und offen für das was gesagt wird. Es wird geklatscht, wenn man sich freut und geweint, wenn man traurig ist. Unser Besuch wurde sehr freudig begrüßt und wir wurden der ganzen Gemeinde kurz vorgestellt.
Die Fijis sind überhaupt sehr freundlich und offen. Von überall her bekommt man ein fröhliches "Bula!" zugerufen und die Menschen lachen uns mit ihren schönen Gesichtern an. Ich bin ganz begeistert von den Kindern. Ich habe noch nie so hübsche und viele Kinder gesehen. Es wuselt überall von ihnen - ganz besonders gegen Nachmittags wenn die Schulen aus sind.
Wenn man in ein fijianisches Dorf kommt, gibt es viele Regeln zu beachten: Frauen müssen ihre Handtasche in die Hand nehmen und nicht über der Schulter tragen. Man muss ordentlich gekleidet sein. Trotz der heißen Temperaturen gilt es in Fiji als unanständig, wenn Knie und Schultern nackt sind. Wir haben uns redlich bemüht uns ordentlich anzuziehen und festgestellt, dass es auch nicht besonders viel wärmer ist. Man soll seinen eigenen Kopf immer niedriger halten als der des Gastgebers ist. Man darf unter keinen Umständen jemals einem Fijianer auf den Kopf fassen, da er von ihnen als heilig erachtet wird.
Der übereifrige christliche Missionar Baker hatte sich als erster in das fijianische Hochland vorgewagt. Die Einheimischen waren von seiner christlichen Botschaft ganz begeistert und waren kurz davor sich zu bekehren. Zu seinem Pech jedoch hatte sich Baker zuvor nicht genügend mit den Ritualen der dortigen Bevölkerung vertraut gemacht. Voller Bewunderung hat er dem Dorfältesten einen schönen Haarkamm aus den Haaren genommen um ihn genauer zu betrachten. Diesen Frevel musste er dann mit seinem Leben bezahlen. Im Museum von Suva kann man heute noch einen Schuh von ihm bewundern. Der Rest von ihm inklusive dem zweiten Schuh wurde als köstliches Abendessen angerichtet und verzehrt.
(L.)
Kannibalismus wurde in Fiji noch bis ins späte 19. Jahrhundert praktiziert, es war ein ganz normaler und alltäglicher Teil des fijianischen Lebens. In einer Gesellschaft, die Ahnenverehrung praktiziert und an ein Leben nach dem Tod glaubt, war Kannibalismus die ultimative Rachegeste. Ein unrespektvoller Tod war eine bleibende Beleidigung für die Familie des Feindes. Die Körper wurden entweder sofort auf dem Schlachtfeld verzehrt oder zurück ins Dorf gebracht, dem lokalen Gott geweiht und anschließend in seinem Namen gebacken und gegessen. Der Triumph wurde mit Tanz ("meke") und Musik gefeiert. Der wachsende Einfluss des Christentums hatte große Auswirkungen auf den Kannibalismus und Mitte 1800 begann das Nachlassen dieser Praktiken. Trotzdem kam das tatsächliche Ende des Kannibalismus erst zur Jahrhundertwende. Die westliche Faszination an den grausamen Praktiken blieb jedoch bis heute bestehen. Das beliebteste Fiji-Souvenir ist die sogenannte "Cannibal fork", die in ungeahnten Massen an die Touristen verhökert wird. Stammeshäuptlinge gebrauchten diese Gabeln um das Fleisch zu essen, es war nämlich verboten, damit die Lippen zu berühren.
Eine weitere Besonderheit in Fiji ist das leicht narkotisierende Gebräu „Kava“. Es wird zur Begrüßung und zeremoniellen Dorftreffen getrunken. Die Wurzeln für die Herstellung der bräunlich-schlammigen Suppe kann man an jedem Markt in großen Bündeln, schon gehackt oder pulverisiert erstehen. Der schale Geschmack stellt den meisten Europäern die Zehennägel auf. Der Leo hat’s mutig einmal probiert, aber ich hab mich nicht getraut.
Unsere Vorlieben liegen eher bei frischen, grünen Kokosnüssen und dem fijianischen Nationalgericht „Kokoda“. Die Kokosnüsse werden frisch von der Palme gepflückt und sind kein Vergleich zu den holzigen, harten Teilen die in Deutschland verkauft werden. Das Fruchtfleisch ist richtig zart und cremig und das erfrischende Wasser in der Frucht angenehm süß und süffig. Der Leo hat sich bei jeder Gelegenheit eine Nuß gekrallt ...
„Kokoda“ ist ein kaltes Gericht. Frischer Fisch wird roh mit Kokosnußmilch, Chilli, Zitronensaft und verschiedenen anderen Gewürzen mariniert. Dazu gibt es gekochte Tarowurzel – etwa so wie unsere Kartoffeln. Das Gericht schmeckt himmlisch und wir haben jede Möglichkeit genutzt um eine Portion davon zu bekommen!
Unsere zweite Woche in Fiji haben wir wie Touristen verbracht und uns anfangs gar nicht wohl dabei gefühlt. Es ist für uns mittlerweile undenkbar geworden sich vom Flughafen direkt zu irgendeinem Resort oder Hotel bringen zu lassen, da seinen Urlaub zu verbringen und dann auf direktem Weg zum Flughafen und nach Hause zu fahren. Erst jetzt merken wir, wieviel man von der Kultur und der Art der Menschen verpasst. Denn diese Resorts sind nicht so, wie es in Fiji wirklich ist. Im Hotel glänzt alles, es gibt große geräumige Zimmer mit Klimaanlage und gepflegte Blumengärten ... die Touristen werden von den Angestellten mit einem Lied und einer Muschelkette am Strand empfangen. Es war uns so peinlich, dass diese stolzen Menschen vor uns stehen und als Bedienstete ein Lied für uns singen.
Das Hotel liegt inmitten der Südsee, und nordwestlich der Hauptinsel Viti Levu, in der sogenannten Mamanuca-Inselgruppe, auf Matamanoa Island. Matamanoa ist wirklich winzig. Es gibt hier nichts als dieses eine Hotel, Strand und einige Palmen. Mit dem Kajak hat man das Inselchen in 45 Minuten umrundet. Wir genießen den Luxus eines eigenen Badezimmers mit warmer Dusche, einer Klimaanlage und einem tollen Strand.
Der Leo hat hier seine große Liebe fürs Schnorcheln entdeckt. Man muss nur mit der Zehe ins Wasser tauchen, dann steht man schon auf einem wunderschönen Korallenriff. Täglich (mehrmals) begeben wir uns ins angenehm temperierte Meer und gucken Fische an. Es ist so unglaublich, was sich da unten für eine stille und majestätische Vielfalt befindet. Obwohl der Leo der Oberschnorchler von uns beiden ist, habe ich die große Entdeckung gemacht. Gestern bin ich alleine raus und habe tatsächlich zwei Meter vor mir einen Hai gesehen. Er war nicht so groß, vielleicht zwei Meter lang und er hat sich zum Glück nicht sonderlich für mich interessiert. Hat mich nur angeguckt ... Diese Riffhaie sind für Menschen nicht gefährlich, aber ein bißchen mulmig wars mir trotzdem.
Nachdem wir nun fünf Monate proppengesund waren, ist jetzt endlich die Zeit für einige Krankheiten reif geworden. Kurz bevor wir auf die Entspannungsinsel gefahren sind ist Miriam richtig fiebrig und grippig geworden. Wahrscheinlich hat sich ihr Organismus unbewusst gegen den bevorstehenden Luxus gesträubt oder aber das dunkelbraune Wasser, dass wir auf der Hauptinsel zum Zähneputzen verwendet haben, hat seine Wirkung entfaltet. Glücklicherweise hatte sie nichts Schlimmeres (im Reiseführer gabs eine bedenkliche Auswahl) und nach zwei Tagen Betthüten war sie wieder auf den Beinen. Solidarisch zu ihr habe ich mir mein Knie aufgeschlagen wie seit meiner Kindheit nicht mehr. Kurz nachdem wir auf der Insel angekommen sind habe ich mich voller Gier auf den sogenannten Beachvolleyballplatz gestürzt und zielsicher nach nur fünf Minuten spielen den einzigen im Sand versteckten Pflasterstein gefunden. Um das noch gesunde Bein an das kranke anzupassen habe ich mir einige Tage später beim Barfußtanzen mit Miriam meinen Zehennagel halb ausgerissen. Immerhin habe ich durch diese Lockverletzungen dann auch noch einen Riffhai beim letzten Schnorchelgang entdeckt.
(L.)
Unsere letzten Fijitage verbringen wir mit ausgiebigem Faulenzen, Baden und Cocktailschlürfen ...
Das nächste Mal melden wir uns aus Kalifornien. Bis dahin –
Moce. Moce.
Hier gibts noch mehr Bilder zu sehen:
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