Donnerstag, 30. April 2009

California Dreaming



Die Einreisebestimmung in die USA sind ja bekanntermaßen relativ streng. So mussten wir schon vor dem Abflug ein Internetformular über unsere terroristische Vergangenheit ausfüllen. Zusätzlich musste noch im Flugzeug vor der Landung bestätigt werden, dass man keine Nahrung, keine Pflanzen sowie lebendige/tote Tiere in das gelobte Land einschleppt. Nach bestem Gewissen haben wir alles mit „Nein“ angekreuzt, was in Bezug auf lebendige Tiere nicht ganz wahrheitsgemäß war. Als ich im Hostel angekommen in meine Jeans geschlüpft bin, fühlte ich innen in der Hose in Kniekehlengegend etwas Kühles und Schleimiges. Etwas irritiert habe ich die Jeans ausgeschüttelt ... und heraus kam ein quicklebendiger, obwohl etwas geschwächter Gecko aus Fiji. Der arme muss da reingekrochen sein, als wir auf Matamanoa Island unsere frischgewaschene Wäsche zum Trocknen aufgehängt haben. Er hat 24 Stunden im komprimierten Rucksack in meiner Jeans eingewickelt und 10 Stunden im Flugzeugfrachtraum überstanden. Zunächst hat er sich nicht viel gerührt aber am nächsten Tag war er verschwunden. Falls also bald die fijianische Geckogrippe in Kalifornien ausbricht wissen wir Bescheid.


  • Los Angeles
Vom Flughafen Los Angeles war ich ein bißchen enttäuscht. Ich hatte mir so ein ultramodernes, riesiges Gebäude vorgestellt – wo doch da die ganzen Stars hin- und herfliegen. Stattdessen hat uns ein düsteres Gebäude mit hässlich-braunem Teppichboden empfangen und überall waren Absperrbänder wegen der vielen Baustellen ... hach, und wieder eine Seifenblase geplatzt.

Wir haben ja jetzt wieder ein Auto, allerdings nur einen Mietwagen. Einen metallic-türkisfarbenen Toyota Corolla. Ich darf ja nicht fahren, weil ich zu jung bin :-) aber der Leo ist ganz zufrieden mit unserem fahrbaren Untersatz. Wir sind ja seit Monaten nur noch unseren guten alten Bussi oder die holter-dipolter Busse aus Fiji gewohnt. Als wir dann im Mietwagen saßen und den Motor starteten haben wir uns ganz ungläubig angeguckt –sooo leise! Und sogar Klimaanlage! Soviel Komfort sind wir wirklich nicht mehr gewohnt.

Unsere Nächte in Los Angeles verbrachten wir in einem eher schäbigen Hostel in einem 30-Bett Zimmer im Stadtteil Venice Beach. Dank unserer Oropax hörten wir wenigstens die Schlafgeräusche unserer Zimmergenossen nicht so sehr. Gegen die feuchte Zugluft jedoch, die durch die nicht-schließenden Fenster genau in unsere Betten zog, waren die Stöpsel nutzlos. Einen Tag später hatte ich einen ziemlichen Rückfall zu meiner Fiji-Grippe, der sich nun hartnäckig für die nächsten eineinhalb Wochen halten sollte.

Los Angeles ist eine Riesenstadt und wir haben grob aussortiert, was wir sehen wollen und was nicht. Schließlich haben wir die gängigen Sachen abgeklappert ... Hollywood (ja, den Schriftzug gibt es tatsächlich!), Beverly Hills (wo die Stars ihre bescheidenen Häuschen haben), Rodeo Drive (die Edeleinkaufsmeile wo Chanel neben Louis Vouitton, Tiffany, Prada, .. ihre schlichten Lädchen haben – hier kaufen die Stars ihre unbezahlbaren Sachen) unseren Stadtteil Venice Beach (an diesem Strand hat auch Schwarzenegger schon Gewichte gestemmt ... und auch sonst laufen allerlei seltsame Leute rum), Malibu (direkt am Strand sind die beschaulichen Landschlösschen der Stars zu sehen) und das benachbarte Santa Monica.

Nach drei Tagen wollten wir nur noch raus aus der Stadt und was anderes sehen ... so ganz hat das aber nicht funktioniert, denn unsere Reise führte uns vier Stunden durch die Mojave-Wüste und dann nach:



  • Las Vegas
Was stellt man sich unter Las Vegas vor? Also ich habe mir immer so einen richtigen „Sündenpfuhl“ vorgestellt, ein Sammelpunkt sämtlicher Gangster und hoffnungslos abgestürzter Spielsüchtiger, ergänzt durch ein florierendes Geschäft im horizontalen Gewerbe und eine ordentliche Portion gesellschaftlichen Abschaums.

Las Vegas ist ganz anders. Alles ist edel und ordentlich und man kann sogar sagen, stilvoll in einer gewissen Art und Weise. Ein Luxushotel steht neben dem anderen und die Zimmer dort sind spottbillig. Für 100€ pro Nacht kann man ein 5-Sterne-Luxuszimmer mit Whirlpool und allem drum und dran bekommen ... verdienen tun die Hotels nämlich hauptsächlich an den Kasinos. Jedes Hotel hat sein eigenes und man kann überall reinspazieren und gucken und spielen, wenn man mag. Um die Leute in ihre Kasinos zu locken, übertreffen sich die Hotels gegenseitig in Luxus und Kreativität. Eins ist schöner und toller als das andere. Jedes Hotel hat außerdem spezielle Sonderattraktionen um die Besucher anzulocken. Man vergisst wirklich, dass man sich eigentlich mitten in der Wüste befindet ... es gibt echte Delfine, Löwen und Tiger, ein Hairiff-Aquarium, eine Piratenschiffschlacht, einen stündlich eruptierenden Vulkan, Blumengärten mit monatlich wechselnden Themen und riesige Wasserspiele vor dem hellerleuchteten Hotelkomplex, ... Außerdem gibt es überall supergünstiges, superleckeres Essen in Buffettform.
Wir haben zwei Tage in Las Vegas damit verbracht all die kostenlosen Shows und Attraktionen anzugucken (und wir haben lang nicht alles gesehen) und allabendlich zum köstlichen Buffettschmaus zu gehen. Einzigster Wehmutstropfen war, dass ich ja immer noch krank war.


  • Grand Canyon
Wenn wir schon mal in der Nähe sind, war unsere Überlegung, dann fahren wir halt auch noch “kurz” zum Grand Canyon und gucken uns den an. Dafür mussten wir von Las Vegas, Nevada nach Arizona fahren .. und von „kurz“ kann wahrlich keine Rede sein – mehr als fünf Stunden haben wir gebraucht. Als wir am Grand Canyon Nationalpark ankamen hat uns erstmal der Kälteschock gelähmt – von Las Vegas waren wir ja „wüstige“ Temperaturen gewohnt ... aber nun im Nationalpark waren wir auf 4000ft (ich verstehe wirklich nicht wie man immernoch in „Fuß“ rechnen kann) und es war einfach nur noch eisig. Unser grandioser Plan sah vor, dass wir geruhsam unser Zelt aufschlagen und es uns darin gemütlich machen. Wenn ich hier auf die letzten Neuseelandbeiträge verweisen darf – da habe ich unser 20€-Zelt ja schonmal hinreichend beschrieben. Na ja, es hat sich halt nicht verändert in den letzten Wochen ... und als wir die Eiseskälte und die orkanartigen Windböen bei einem kleinen Spaziergang (in Schal, Mütze, Handschuhen, mehreren Lagen T-Shirts, Pullovern und Jacken) ein wenig auf uns haben wirken lassen, war klar, dass das mit dem Zelten schonmal gar nicht in Frage kommt. Wir hatten dann noch die Wahl zwischen dem Toilettenhäuschen oder unserem Auto und haben uns schließlich für letzteres entschieden. – Wie haben wir uns den Bussi herbeigewünscht in dieser Nacht! Der Leo hat den Beifahrersitz gewählt (da ist immerhin nicht dieses Riesenlenkrad im Weg) und ich hab es mir auf einem Quadratmeter Rückbank „bequem“ gemacht.

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, schneite es... und mein Gesundheitszustand war so erheblich reduziert, dass wir das nahegelegene Krankenhaus aufgesucht haben und ich interessante Einblicke in den amerikanischen Medizineralltag bekam. Den Grand Canyon haben wir uns von alldem aber nicht verderben lassen. Mit ein bißchen Doping geht fast alles ... Und der Canyon war wirklich beeindruckend. Ich konnte es gar nicht glauben als ich dann davor stand. Dieses wunderschöne rötliche Gestein, die Formen der Felsen, die Tiefe des Grabens ... es war einfach Wahnsinn! Und als wir da am Abgrund standen und so ein herrliches Panorama vor uns hatten wussten wir, dass es das alles wert gewesen war. Die lange Autofahrt, das Frieren, die schrecklich-schlaflose Nacht im Auto, der Schnee, meine Krankheit. Alles hat sich gelohnt – für diesen gigantischen Ausblick. Leider sind unsere Fotos nicht so beeindruckend geworden .. es waren ein paar Schneewolken im Weg ... aber ein bißchen was erkennt man doch.
Uns hat’s gefroren wie die Schneider, also machten wir uns auf zu unserem nächsten Ziel, dem...




  • Death Valley
“Wüste, halt”, hab ich mir gedacht bevor wir ins Death Valley gefahren sind … und war dann wirklich überrascht was sich uns dort für eine vielgestaltige, abwechslungsreiche und schöne Landschaft geboten hat. Das Death Valley besteht aus allen Arten Wüsten die man sich nur vorstellen kann. Es gibt felsige Teile, Gebiete mit riesigen Sanddünen, Kies- und Steinregionen und sogar Salzwüste.

Zwei Tage haben wir im Death Valley verbracht, das als National“park“gelände ausgewiesen ist (eigentlich ist der halbe Staat als irgendein Park ausgewiesen) und haben auf einem steinigen Felsboden unser Zelt aufgeschlagen. Die Tage waren wahnsinnig heiß und trocken und wir wurden schon in der Früh um sieben in unserem Zelt gargekocht - in der Nacht war es aber richtig kalt.

Es gibt tatsächlich sowas wie „Sehenswürdigkeiten“ in der Wüste. Zum Beispiel ein großes Gelände voller verschiedenfarbiger Gesteine und Sandhaufen, die aussehen als hätte ein Maler seine Farbpalette abgelegt. Oder riesige ausgetrocknete Salzseen, deren Wasser zehnmal salziger als das Meer wäre, und in denen man die Salzkristalle am Boden bewundern kann. Die gigantischen Sanddünen und vieles mehr ...
Erst letztes Jahr ist im Death Valley ein deutscher Mann gestorben. Er wollte nur eine kurze Wanderung machen und seine Frau hat auf ihn gewartet um ihn abzuholen. Aber er kam nie bei ihr an. Er hatte die Temperaturen einfach unterschätzt und viel zu wenig zum Trinken mitgenommen.

Irgendwie ist es schon seltsam, dass heute die Touristen scharenweise in eine Wüste reisen, die so viele frühe Siedler das Leben gekostet hat. Ich glaube nicht, dass die Leute die damals mit ihren Ochsenkarren mühsam durch dieses Gebiet gezogen sind, freiwillig je wieder zurückkehren würden ... Irgendwann hats uns dann aber doch gereicht mit der Einöde und wir wollten gern wieder zurück in die Natur. Also machten wir uns auf den Weg zum:


  • Yosemite Nationalpark
Im Yosemite Nationalpark haben wir mehrere Tage verbracht und dort im Tal gezeltet. Die Natur hier hat uns nochmal so richtig gepackt und begeistert. Es sieht hier so anders aus als in Neuseeland. Ich würde jedem raten, der nach Kalifornien geht, dem Park unbedingt einen Besuch abzustatten. Wir haben die perfekte Zeit erwischt ... ab Mai ist der Nationalpark so überfüllt von urlaubmachenden Amerikanern aller möglichen Bundesstaaten und Touristen aus der ganzen Welt, dass man ohne wochenlange Vorreservierung keine Chance auf einen Schlafplatz hat. Jetzt im April war aber noch nicht so viel los und es war im Tal unten schon warm genug zum Zelten. Durch die Schneeschmelze waren überall Wasserfälle zu sehen und alles war schön grün und frisch.

Besonders beeindruckend waren natürlich die gigantischen Felsmassive des berühmten „El Capitan“ und „Halfdome“. Für Kletterer sind die Steinwände ein wahres Paradies ... Leider wurde Leo’s großer Wunsch nicht erfüllt: er wollte so gerne auf den Halfdome steigen. Wir haben uns auch danach erkundigt, aber auf den Gipfeln war leider noch zu viel Schnee und die Fixseile waren noch nicht angebracht. Schade.

Eine Besonderheit im Yosemite Park sind die wilden Schwarzbären, die dort leben. Wir hatten großes Glück und haben gleich an unserem ersten Tag dort einen kleinen zimtfarbenen Gesellen durchs Lager traben sehen. Das ist wirklich ungewöhnlich, denn eigentlich treiben sich die Bären hauptsächlich nachts auf den Zelt- und Parkplätzen ihr Unwesen und suchen nach Futter. Weil die lieben Tierchen einen ausgezeichneten Geruchssinn besitzen, muss man alles Eßbare, Kosmetika und Medikamente in einbruchsicheren Bärenboxen verstauen, die auf dem Zeltplatz stehen. Wird irgendwas im Auto zurückgelassen machen die lieben Tierchen kurzen Prozess mit dem Wagen, der für die kleveren Kerlchen nicht mehr als eine Dose ist. Sie biegen die Vordertüren auf und klettern ins Auto. Falls eine Leckerei im Kofferaum ist beißen sie sich von innen durch die Hintersitze und fressen, was sich ihnen da so bietet. Auch im Zelt darf man nichts lassen wenn man nicht nachts mit einem Bären kuscheln will. Wir haben unsere Sachen natürlich ganz brav eingesperrt und die Bären nachts nur ums Zelt schnüffeln hören – reingekommen sind sie zum Glück nicht... Trotzdem ist es ein wenig unheimlich mit den riesigen Viechern, ich hab mich zumindest nachts nicht auf die Toilette gewagt...



  • San Francisco und runter an der Küste nach LA zurück
San Francisco war einfach schön. Wir könnten uns beide wirklich vorstellen dort zu leben. Die Stadt ist so anders als zum Beispiel Los Angeles - es ist viel europäischer hier. Es gibt jede Menge kleiner Restaurants, Bars und Cafés ... großartige Einkaufsmöglichkeiten ... eine kreative und innovative Gegend mit dem Silicon Valley gleich nebenan ... schöne alte Häuser mit Stuck und hohen Räumen und moderne Wolkenkratzer im Finanzdistrikt ... das Meer vor der Haustür und die Nationalparks im Hinterland ...

Drei Tage waren wir da und haben ein ziemlich straffes Programm durchgezogen. Wir haben den GoldenGate Park und das Gebiet der Haight Street durchkämmt – hier wurde in den 60er Jahren die „Flowerpower-Idee“ der Hippies geboren, und die Leute die da heute rumlaufen, erinnern einen stark an diese Zeiten. Für Musikliebhaber ist hier das Paradies. Es gibt ganze Hangars mit CDs, Schallplatten und Kasetten aller Arten von Musik und Geräuschen. Natürlich haben wir die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz besichtigt. Hier waren die schlimmsten Verbrecher Amerikas eingesperrt, zum Beispiel Al Capone, und es ist kein gesicherter erfolgricher Ausbruch aus dem ehemaligen Hochsicherheitsgefängnis bekannt. Im berühmten Italienerviertel North Beach haben wir in einem ganz besonderen Restaurant gespeist. Wer Knoblauch so gern mag wie wir, dem empfehle ich hiermit: „The Stinking Rose“ – ein Knoblauchrestaurant mit dem Motto: „We season our garlic with food.“

Am letzten Tag haben wir uns Fahrräder ausgeliehen und sind damit über das Wahrzeichen San Franciscos gerollt: die Golden Gate Bridge. Die starken Windböen auf der Brücke hätten uns fast in die Bay geweht, aber schließlich sind wir auf der anderen Seite in Sausalitos angekommen.

Die signalrote Brücke verschafft vielen Malern einen Arbeitsplatz, denn die berühmte Farbe muß ständig ausgebessert werden. Pro Woche werden 10000 Liter Farbe verstrichen.
Nach San Francisco führte uns unser Weg an der Westküste entlang nach Süden zurück nach Los Angeles. Die wildromantische Küstenroute hat uns immer wieder an Neuseeland erinnert und wir genossen unsere letzten Tage „on the run“.
Morgen geht nun unser Flug zurück nach München und wir freuen uns schon sehr auf unsere Familien, Freunde und unser Land.

Dies ist unser vorletzter Blogeintrag, wir werden uns nocheinmal melden wenn wir wieder ZUHAUSE sind.

Hier sind wieder einige Photos:
Californication

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