Sonntag, 8. Februar 2009

Über den Arthur's Pass zur Westcoast



Am 25. Januar haben wir uns mit Tränen in den Augen von Blenheim verabschiedet und unseren Weg entlang der Ostküste Richtung Süden fortgesetzt. Immer wieder mussten wir am Straßenrand anhalten ... zum Beispiel weil sich eine ganze Seehundkolonie - mit ganz vielen süßen Seehundbabies - in klaren Meerwasserpools gebadet und gesonnt hat ... oder um in Kaikoura einen schönen Küstenweg entlang zu spazieren und angestrengt nach im Meer auftauchenden Walflossen Ausschau zu halten ... oder um ganz spontan in einem traumhaft klaren aber eiskalten Fluß zu baden, an dem wir vorüber fuhren, weil es soo heiß war ...
Wir haben nochmal so richtig das superstrahlende Ostküstenwetter genossen, bevor wir dann kurz vor Christchurch Richtung Westen auf die Straße zum Arthurs Pass abgebogen sind.

Der 924 m hohe Pass wurde schon vor sehr langer Zeit von den Maori benutzt um die Westküste zu erreichen, jedoch erst 1864 von einem europäischen Siedler namens Arthur Dobson entdeckt. Zu dieser Zeit nämlich war der Goldrausch an der Westküste ausgebrochen und es wurde ein Weg von Christchurch über die Southern Alps benötigt. Innerhalb eines Jahres hatte man eine gut funktionierende Busverbindung eingerichtet - die Schienen und Tunnel des Eisenbahnverkehrs für den Transport von Kohle und Holz wurden aber erst rund 60 Jahre später fertiggestellt.
Wir haben rund zwei Tage in Arthurs Pass Village verbracht - Das Dorf liegt nur wenige Kilometer vor dem Pass mit dem gleichen Namen und ist Neuseelands höchste Siedlung. Wir haben die berühmten Devils Punchbowl Falls bestaunt und eine 1200-Höhenmeter-Tageswanderung auf den Avalanche Peak unternommen.
Als erstes fallen einem die vielen großen grün-blauen Vögel mit leuchtend-roten Unterflügeln auf, wenn man nach Arthurs Pass Village kommt. Dieser hochalpine Papagei Neuseelands heißt "Kea". Die frechen Kea's sind alles andere als scheu. Normalerweise fressen sie Beeren und Früchte von einheimischen Bergpflanzen - mittlerweile haben sich die Vögel jedoch auf Touristen essen und die Gummidichtungen der Autofenster spezialisiert. - Ja, es ist wirklich wahr! Bevorzugt sitzen die Keas auf Autodächern, wo sie dann genüsslich mit ihren scharfen Schnäbeln an den Scheibenwischern, Fensterdichtungen oder Radioantennen herumknabbern ... Von unserem Bussi haben wir die Übeltäter immer möglichst schnell vertrieben, wir haben doch eh schon undichte Fenster ... :-)

An der Westküste hat uns das dort üblich schlechte Wetter nicht gerade herzlich empfangen. Was für einen Unterschied doch diese Bergketten machen ... Das Klima des Westlands wird durch die stürmisch-wilde Tasmanische See und die hohen Gipfel der Southern Alps bestimmt - mit ca. 5m Regenfall pro Jahr ist die Umbenennung in "Wet-Land" wirklich berechtigt.
Mit weniger als einem Prozent der neuseeländischen Bevölkerung verteilt über zehn Prozent der Landesfläche ist es hier, bis auf die Touristenströme im Sommer, recht einsam und ruhig.
Ganz wörtlich genommen die größten Highlights des Westlands sind der Franz Joseph - und der Fox Glacier. Nirgendwo anders auf diesem Breitengrad kommen Gletscher so nahe ans Meer heran. Dass es die Gletscher hier immer noch gibt, ist dem endlosen Regen an der Westküste zu verdanken. Ganz hoch oben werden die stetigen Schneefälle in 20 m dickes, klar-blaues Eis gepresst, das sich dann langsam ins Tal hinunterbewegt. - Obwohl: der Franz-Joseph-Gletscher bewegt sich ca. einen Meter pro Tag hinunter - manchmal bis zu fünf Metern pro Tag, das ist zehnmal schneller als die Gletscher in der Schweiz.
Die Maori kannten den Franz-Joseph-Gletscher als "Ka Roimata o Hine Hukatere", das bedeutet: Tränen des Lawinenmädchens. Die Legende besagt, dass ein Mädchen hier seinen Verlobten durch einen Absturz von den lokalen Gipfeln verloren hat und ihre Tränenflut zu dem heutigen Gletscher gefror.
Aufgrund des schlechten Wetters hatten wir leider nicht so schöne Sichten auf die Gletscher wie erhofft ... die Gipfel rundherum haben sich nur einmal kurz gezeigt und sich ansonsten stur in ihre dichten Wolken gehüllt.


Nach einigen Tagen Regen und vielen Sandflies sind wir also weitergefahren - immer an der Westküste entlang Richtung Süden hinunter. Schließlich sind wir in Wanaka angekommen, einem gemütlichen Städtchen am gleichnamigen See, der idyllisch inmitten des Mt Aspiring Nationalparks liegt. Mt Aspiring ist ein 3000er Gipfel, der wegen seiner Form auch das "Neuseeländische Matterhorn" genannt wird.
In Wanaka gibt es das berühmte "Puzzling World" - ein großes Wunder- und Rätselkabinett für Erwachsene. Es war ein wirklich lustiger Vormittag (guckt mal die Fotos an) ... im großen 3D-Labyrinth haben wir uns verlaufen und schließlich aufgegeben ...
Im wunderschönen Nationalpark haben wir eine viertägige Wanderung unternommen - die anspruchsvolle "Cascade-Saddle-Route". Wir haben uns vor einiger Zeit mit Schlafsäcken und Isomatten ausgestattet, um auch Mehrtagestouren und die damit verbundenen Hüttenübernachtungen machen zu können. So leerten wir also unsere Rucksackinhalte in den Bauch unseres lieben Autos um Platz für Schlafsack, Wechselklamotten, Regensachen, Isomatte und Proviant zu haben. Jeder mit ungefähr 15 kg Rucksackgepäck beladen, marschierten wir recht fröhlich und zuversichtlich am Montag, den 2.2. los.
Der erste Tag war recht einfach, nur ca. 3 Stunden Gehzeit bis zur ersten Hütte - der "Aspiring Hut". Ach, ich hatte ja schon wieder ganz vergessen was für ein Luxus es ist, in unserem Bussi zu schlafen. Eine schrecklich-unruhige Nacht mit 10 stinkenden, schnarchenden Zimmergenossen, die morgens um halb 5 beginnen wild und ohne Rücksicht auf eventuell noch Schlafende in ihren Rucksäcken zu wühlen ... Betten, die bei jeder leisen Bewegung knarzen als würden sie auseinanderfallen ... dreckige Matrazen an denen der Schlafsack kleben bleibt, weil sie aus Gummi sind ... und dann noch unser überaus leckere Proviant.
Wir sehnen uns von ganzem Herzen nach ein paar gescheiten und schönen bayerischen Alpenvereinshütten ... kennt ihr das schöne Gefühl wenn man einen harten und anstrengenden Wandertag hinter sich gebracht hat und dann in eine warme Hütte kommt, sich ein kaltes Spezi oder Radler und dazu einen Kaiserschmarrn oder einen deftigen Eintopf bestellt. Hach, ...
- vergeßt das alles in Neuseeland. Hier gibt es keine bewirtschafteten Hütten und man muss für Tage seinen Proviant mittragen. Wir haben Dosenravioli (und zwar neuseeländisches Ravioli, das heißt: schleimig-schlabbrige Nudeln, in ekelig-widerlicher-rot-schmieriger-Plastik-und-Dosengeschmack-Sauce) dabeigehabt - pro Tag und Nase eine Dose. - Und zwar: KALT. Unser Campingkocher den wir im Bus benutzen ist leider nicht sehr transportabel.
Der zweite Tag war bei weitem der anstrengendste. Die Rucksäcke waren noch ziemlich schwer, weil wir ja noch nicht so viel rausgegessen hatten, ein sehr steiler 1500 Höhenmeter-Anstieg und insgesamt 10 Stunden zu gehen bis zur abendlichen Hütte ... wo uns das nächste unappetittliche kalte Dosenabendessen erwartet hat ...
Der dritte und vierte Tag war nicht mehr so schlimm. Es war nicht so viel zu gehen und unsere Rucksäcke haben wir auch immer leichter "gegessen".
Trotz der Anstrengung, Schlaflosigkeit und des schlechten Essens war die Wanderung wirklich schön! Wir hatten einen guten Ausblick auf Mt Aspiring und die umliegenden Gipfel und Gletscher (ja, hier gibts auch welche!), haben tollen Regenwald durchquert und kleine Flüsse übersprungen, morgens die Sonne auf beschneite Gipfel scheinen sehen und den Tau auf den Wiesen im ersten Licht glitzern sehen.
Auf unser erstes richtiges Essen zurück in der Zivilisation haben wir uns ganz besonders gefreut und uns die ganzen drei Tage lang ausgemalt, was wir dann alles genüsslich verspeisen wollen ... die Dusche und das Steakessen an unserem Rückkehrabend in Queenstown haben uns für alle Strapazen belohnt. Es sind halt doch oft die kleinen Dinge ...


Nun verbringen wir ein paar gemütliche Tage in der Abenteuerstadt Queenstown. Hier kann man von Bungeejumpen, Jetboatfahren und Wildwasserrafting über River Surfing, Canyoning und Paragliding bis zum spektakulären Skydive (Freefall aus 15000 ft Höhe mit 200 km/h bevor der Fallschirm aufklappt) alle möglichen Nervenkitzeleien ausprobieren. Gestern haben wir zwei Stunden bei den Bungeejumpern zugeguckt ... aber wir wollten nicht. Das ist eine Art Adrenalinstoß, die ich nicht unbedingt brauche. Der einzigste Grund, sowas zu machen wäre, um danach stolz sagen zu können: Ich hab mich getraut. Ich bin gesprungen. Richtig Spaß machen würde es mir aber nicht, glaub ich. Da ist mir eine schöne Wanderung oder Reiten lieber - auch wenns nicht so spektakulär klingt!
Wer aber gern so ein Abenteuer machen will, dem empfehle ich sehr, es hier zu probieren - es ist bestimmt um die Hälfte günstiger als in Deutschland ... und ein Bungeesprung von einer alten Brücke in eine Schlucht und einen Bergfluß hat mehr Charme als von einem extra aufgestellten Kran zu hopsen ...

Wir warten hier auf einigermaßen gutes Wetter um dann zu unseren nächsten Wanderungen im nahe gelegenen Fjordland aufbrechen zu können. Hoffentlich geht es Euch allen gut und wir hören uns bald wieder ...

Hier wieder einige neue Photos:

Über den Arthur's Pass zur Westcoast


Hier ist unsere Reiseroute:


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2 Kommentare:

  1. Hat eigentlich schon jemand den bärtigen Mann auf einem der letzten Fotos erkannt?
    Wer's als erster errät, gewinnt eine Einladung zum Essen, wenn wir wieder zurück in Bayern sind!

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  2. Hallo Miriam und Leo,
    das war der Leo, das weiss ich, weil ich dass auch mal ausprobiert habe, unterwegs mit unserem Bulli... ganz liebe Grüße und Nina bedankt sich für die netten Zeilen zum Geburtstag...
    Macht weiter so ! Eure Fotos Berichte sind ganz toll. Und solch einen Camping´platz würden wir auch mal gerne mit Bulli erleben ... ;-)
    Eure Freunde Manu & Nina

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