Donnerstag, 26. Februar 2009

Fjordland und Stewart Island



Der Februar war unser ausgiebiger Wandermonat - in knapp vier Wochen haben wir vier Mehrtagestouren unternommen und dabei unser (sowieso schon reduziertes) Komfortniveau drastisch nach unten abgesenkt.
Gleich nach der ziemlich fordernden Cascade-Saddle Tour im Mt. Aspring Nationalpark sind wir weiter gen Süden nach Te Anau im Fjordland gefahren. Dort in der Nähe startet der Milford Track und der Kepler Track. Ersterer ist eine der weltschönsten Mehrtagestouren. Allerdings muss man die Wanderung schon ein Jahr vorher buchen, da sie heißbegehrt, der Platz auf den Hütten begrenzt und Campen nicht erlaubt ist. Da wir nicht gebucht haben und auch keine Lust hatten im Pulk zu laufen, sind wir einen Teil des nicht weniger schönen Kepler Tracks gelaufen, der zur Entlastung des Milford Tracks angelegt wurde. Die Gegend des Fjordlands ist gekennzeichnet durch lange u-förmige Täler, die durch die Gletscherbewegungen in den letzten Eiszeiten entstanden sind. Diese Täler sind zum größten Teil mit Meerwasser gefüllt worden (-> Fjordland). Der Keplertrack verläuft auf dem Grat entlang des Sees Te Anau - einer der wenigen Süßwasserfjorde - und die Ausblicke waren atemberaubend, weil das Wetter perfekt war. Den zweiten, weniger spektakulären Teil des Tracks haben wir uns gespart und sind am nächsten Tag wieder nach Te Anau zurückgelaufen.

Als nächstes standen zwei Touristentouren auf dem Programm. Der Milford Sound ist die Top 1 Touristenattraktion in Neuseeland und im Jahr werden 500000 Menschen dort hingekarrt. Vor Kurzem wurde er als eines der Weltwunder der Moderne gewählt. Dementsprechend viele Busse befahren den ca. 80 km langen Weg dorthin und besonders die Mittagszeit sollte man vermeiden, wenn man nicht in einer Meute von Japanern die Aussicht genießen will. Wir sind also am ersten Tag erst Nachmittag los und haben auf halben Weg gecampt. Am nächsten Tag sind wir ganz früh gestartet und konnten dadurch dem Hauptandrang entfliehen. Schon allein die Fahrt zum Milford Sound war atemberaubend. Die Straße schlängelt sich inmitten senkrechter bis zu 1000 Meter hoher Felswände dahin. Die höchsten Berge in der Gegend sind über 2500 Meter hoch und durch einen haben Arbeiter im Jahr 1910 angefangen einen Tunnel zu graben. Dieser wurde jedoch erst 1990 fertiggestellt. Vorher konnten alle Touristen den Milford Sound nur über den Milford Track oder über den Meerweg bewundern. Am Milford Sound angekommen haben wir eine kleine Bootsfahrt unternommen, die den Fjord entlang bis zum Tasmanischen Meer führt. Die zahllosen Wasserfälle und senkrechten Felswände waren wirklich atemberaubend. Wir hatten auch wahnsinniges Glück mit dem Wetter. Da die Sounds an der Westküste sind regnet es dort 300 Tage im Jahr mit einer Regensäule von sieben Metern. Bei uns war strahlender Sonnenschein. Auch beim zweiten Sound, den wir uns angeschaut haben war das Wetter hervorragend. Leider hatten wir nicht immer so viel Glück mit dem Wetter (siehe weiter unten). Der Doubtful Sound hat den Namen von James Cook bekommen, weil er gezweifelt hat ob der Wind ausreicht um sein Schiff wieder aus dem Sound herauszublasen. Deshalb hat er es bleiben lassen den Sound zu erkunden. Der Doubtful Sound wird nur von einem Bruchteil von Touristen besucht, da er viel schwieriger zu erreichen ist. Zunächst muss man mit einem Schnellboot in einer einstündigen Fahrt den Manapourisee überqueren. Anschließend steht eine halbstündige Busfahrt über einen Gebirgssattel auf dem Programm bis man schließlich in ein weiteres Boot umsteigt um den Sound zu befahren. Der Sound war zwar ganz nett und unberührter als der touristische Milford Sound, aber eigentlich hätte einer von beiden gereicht. Uns hat der Milford Sound wegen seinen gigantischen Felswänden einfach besser gefallen.


Nach den erholsamen beiden Sound- bzw. Fjordfahrten stand mal wieder eine Wanderung auf dem Programm. Der 54 km lange Hump Ridge Track war die beste Mehrtagestour die wir in Neuseeland unternommen haben. Der erste Tag verläuft entlang einem fantastischen Strand und im letzten Drittel geht es hoch ins Hinterland auf etwa 1000 m. Am zweiten Tag läuft man einen Grat entlang (den Hump Ridge) zum Meer zurück zu einer in den 30er Jahren verlassenen Sägewerkstadt (Port Craig). Dort zeugen noch drei riesige Holzviadukte und etliche Ruinen von besseren vergangenen Zeiten. Durch die Weltwirtschaftskrise, die wilde See und etliche andere unglückliche Faktoren musste das Sägewerk nach nur 7 Jahren wieder aufgegeben werden und die damaligen Einwohner wurden durch ein Schiff evakuiert. Heute wurde an der Stelle eine Wanderhütte errichtet und man kann die Überreste bewundern. Ein weiterer Höhepunkt in Port Craig sind die Hector Delphine, die immerwieder in die Bucht kommen. Wir haben eine Delphindame mit ihrem Kalb nur zehn Meter vom Strand entfernt beobachtet. Wäre es wärmer gewesen, hätten wir uns ins Wasser gewagt und so unsere "Swim-with-the-dolphins"-Experience kostenlos bekommen. Leider war das Wetter nicht so erfreulich mit beginnend-arktischen Temperaturen. Zu der unerfreulich eisigen Kälte gesellte sich schlechter Schlaf in der ersten Hütte. Wir mussten die erste Nacht im gleichen Zimmer mit einem im Takt schnarchenden, rülpsenden und pf... Kiwipaar verbringen. Erst als ich mir eine komplizierte Maschine vorgestellt hatte, die während sie läuft die entsprechenden Geräusche macht, konnte ich einschlafen. Nach der Tour haben wir uns in Invercargill einen Tag Erholung gegönnt, bevor es weiter nach Stuart Island ging.


Stuart Island ist eine unberührte Insel im Süden der Südinsel. Es gibt nur ein Dorf (Oban) dort, das zur Siedlerzeit als Stützpunkt für die Holzbranche gegründet wurde. Die gesamte Insel ist mit Wanderrouten durchzogen und 90% des Landes sind als Nationalpark ausgewiesen. Auf der ganzen Insel halten sich nie mehr als 400 Menschen auf. Dafür gibt es dort 20000 Kiwivögel und Stuart Island ist auch der einzige Ort auf der Welt, an dem sich die seltenen Vögel am Tag zeigen. Wir wollten also unbedingt eines dieser Viecher in freier Wildbahn sehen und sind deshalb trotz schlechter Wetteraussichten (mit angekündigter Besserung in zwei Tagen) für eine kleine Wanderung mit der Fähre übergesetzt. Die See war sehr rau aber die Besatzung des kleinen Katamarans hat uns beruhigt, dass sie wissen was sie tun. Was wir da noch nicht wussten ist dass die Fährfahrt für die nächsten Tage zum Teil ganz ausgesetzt wurde. Wir sind nach einer Stunde Fahrt heil angekommen aber ich musste mich anstrengen das Mittagessen bei mir zu behalten. Unglaublich was so Boote aushalten. Auf Stuart Island haben wir eine Nacht gezeltet um am nächsten Tag mit unserem Ausflug zur Mason Bay - in der es von Kiwivögeln nur so wimmeln soll - zu starten. Da wir schon gehört hatten dass der Weg dorthin etwas schlammig ist haben wir uns zunächst einmal Gamaschen besorgt, damit unsere Halbschuhe nicht komplett mit Schlonz vollaufen. Was für uns neu war, war der wohlgemeinte Rat im Informationsbüro auf Oban, dass bei starken Regenfällen ein Teil des Tracks überflutet werden kann und man dann ein Stück schwimmen muss. Naja, mal schaun. Nach einer kalten regnerischen Nacht im Zelt sind wir am nächsten Tag mit dem Wassertaxi (ein noch kleineres Boot als die Fähre - würg) eine Stunde zu unserem Ausgangspunkt gekarrt worden. Von dort sind wir dann durch teilweise knietiefen Matsch zu unserer Hütte in der Masonbay gelaufen, wo wir zwei Nächte geblieben sind. Dort hat uns ein Ranger über die neuesten Wettervorhersagen informiert in der die Wetterbesserung nicht mehr enthalten waren. Egal, fallen die berühmten Sonnenuntergänge von Stuart Island eben weg. Es gibt ja immer noch die kleinen flauschigen Vögelchen. Leider war von wimmeln keine Rede. Wir haben zwar zahllose Fußabdrücke gesehen, zahllose Berichte von anderen Wanderern gehört, die in einem Meer von Kiwivögeln standen und zahllose Kiwisichtungsspaziergänge zu jeder Uhrzeit in die umliegenden Wälder unternommen, aber wir haben keins von diesen Mistviechern aus nächster Nähe zu Gesicht bekommen. Ich hab kurz vor Sonnenuntergang einen Kiwi in zwanzig Metern Entfernung über den Weg huschen sehen und Miriam, die einige Meter hinter mir war, konnte im Farn noch die Raschelbewegungen hören. Das war aber das höchste der Gefühle. Als wir nach zwei Tagen auf der Hütte uns wieder auf unseren vierstündigen Rückweg durch den Matsch machten (der Schlammpegel war durch den andauernden Regen etwas gestiegen - wir mussten aber nicht schwimmen) waren wir ziemlich enttäuscht. Wir hatten seit vier Tagen keine Sonne gesehen, es hat ununterbrochen geregnet und gewindet und das Kiwi- und Sonnenuntergangserlebnis war etwas dürftig. Der einzige Lichtblick war unser gemütlicher Bus und eine heiße Dusche. Unsere Schuhe sind auch nach einer halben Woche noch feucht und strömen einen steten Modergeruch aus. Zwei Monate müssen sie aber noch durchhalten...

Wir hoffen jetzt auf viele Sonnentage an der Ostküste um uns (und unsere Schuhe) zu regenerieren.

Hier sind wieder einige neue Photos:
Fjordland und Stuart Island


Hier ist unsere Reiseroute:


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