Sonntag, 25. Januar 2009

Im Norden der Südinsel



Liebe Leser ... :-)

... vor drei Wochen haben wir unseren letzten Eintrag online gestellt und es ist jetzt definitiv an der Zeit Euch alle wieder auf den neuesten Stand unserer Reise zu bringen. Wir haben schon von einigen Leuten besorgte Fragezeichen-Emails bekommen ... Hiermit melden wir uns nun wieder offiziell aus dem Norden der Südinsel. Uns geht es sehr gut und wie ihr im Folgenden sehen bzw. lesen könnt, war das auch in den vergangenen Wochen so ...

Es gibt hier in Neuseeland die berühmten "Great Walks". Das sind Wanderungen, die über eine große Strecke führen und die man meistens in mehreren Tagen bewältigt. Als Übernachtungsmöglichkeiten stehen primitive Hütten oder Campingplätze zur Verfügung, die man allerdings in den (sommerlichen) Stoßzeiten vorbuchen muß. Wir haben das nicht getan. Erstens, weil wir anfangs nichts davon wussten und zweitens, weil wir uns nicht festlegen wollten, wann wir die Wanderungen machen. Es muß nämlich vorab bezahlt werden und der gebuchte Termin eingehalten werden - komme was da wolle ...

Einer der Great Walks ist der Abel-Tasman-Coastal-Track. Er liegt im Abel-Tasman-Nationalpark, der mit 225 Quadratkilometern der kleinste Nationalpark Neuseelands ist. Das milde Klima, golden schimmernde Strände (aufgrund besonderen Gesteins), dichte Regenwälder und unberührte Sanddünen machen den Park jedoch weithin bekannt. Der schöne Track, entlang der Küste von Marahau nach Wainui, ist 51 Kilometer lang und in drei bis fünf Tagen zu bewältigen. Die Abel-Tasman-Gegend hat sehr große Tiden - bis zu 6m Unterschied zwischen Hoch- und Niederwasser - was dementsprechende Auswirkungen auf den Track hat. Es werden 4 Schutzgebiete passiert, die in einem Zeitraum von zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach der Ebbe begehbar sind. Schafft man es nicht, zur rechten Zeit "am rechten Ort" zu sein - muss man einen doppelt bis dreimal so langen Umweg in Kauf nehmen.

Wie gesagt, wir hatten nicht vorgebucht - wollten aber trotzdem so viel wie möglich sehen. Am 6. Januar haben wir deshalb früh morgens ein Wassertaxi bestiegen und mit ihm die Reise zur Tonga Bay gemacht - die Bucht liegt etwa auf der Hälfte des gesamten Tracks. Schon die Wassertaxifahrt hat großen Spaß gemacht, denn wir haben einen sehr zutraulichen Delfin, einen kleinen Pinguin und viele Seehunde gesehen.
Von Tonga Bay sind wir zurück zu unserem Startpunkt nach Marahau gelaufen - ca. 30 km. Weil wir sozusagen antizyklisch gelaufen sind, waren wir relativ alleine unterwegs. Die Wanderung war wirklich sehr schön, vor allem der goldene Sand und das klare Wasser haben uns sehr beeindruckt.

Unsere Reise führte uns weiter entlang der Nordküste Richtung Nord-Westen. In Takaka haben wir die Rawhiti Cave, eine Höhle mit dem größten Eingang Neuseelands, erkundet - nur ein bißchen, nicht sehr weit. Anschließend sind wir durch einen zauberhaft silbrig-schimmernden Wald zum berühmten Harwoods Hole gegangen. Die Höhle beginnt mit einem 190 m tiefen Schacht und man muss über viele Felsen klettern um hinzugelangen. Das Wasser, das sich in den endlosen Kanälen und unterirdischen Seen sammelt, bleibt dort für mindestens sieben Jahre gespeichert. Dann tritt es an den sogenannten Pupu-Springs aus, die mit den Höhlensystemen verbunden sind. Die Quelle ist die größte Frischwasserquelle Neuseelands und angeblich die klarste der Welt. 14.000 Liter Wasser pro Sekunde (!!!) treten aus den unterirdischen Schloten aus. Es ist wirklich unglaublich, wie klar dieses Wasser ist. Der kleine See, der die Quelle beherbergt ist bis auf den Grund einsehbar - er sieht nicht tiefer aus als zwei bis drei Meter. - In Wirklichkeit ist er aber sieben Meter tief! Wir wären dort gerne mal kurz reingesprungen, aber Baden ist leider strikt verboten. Es wacht sogar den ganzen Tag über ein Aufpasser über die größte Quelle.

An der nordwestlichen Spitze der Nordinsel befindet sich das Farewell Spit. Es sieht aus wie der Schnabel eines Kiwi. Hier haben wir zwei Tage verbracht - einen davon am Strand des absolut fantastischen Wharariki Beach. Dieser Strand ist ein wild-schöner Vorgeschmack auf die Westküste der Südinsel. Riesige weiße Sanddünen erstrecken sich vor klarblauem Meer. Große Wellen rollen donnernd an den Strand und brechen sich gischtschäumend an den großen Kalksteinformationen. Es wäre sooo einladend zum Schwimmen - aber es gibt hier wie an den meisten Westcoaststränden gefährliche Unterströmungen die einen 100 km weit aufs Meer hinausziehen können was selbst für einen guten Schwimmer eine kleine Herausforderung sein dürfte.
Das Farewell Spit an sich ist ein striktes Vogelschutzgebiet und man darf die Halbinsel nur mit einer Führung betreten. Wir haben uns das Geld gespart, die Vögel auf Photos bewundert und von einem Berg aus die schöne Aussicht darauf genossen.


Den selben Weg, den wir gekommen waren fuhren wir nun wieder zurück nach Nelson und von dort weiter zum Nelson Lakes National Park. Hier haben wir nach einer kleinen Tageswanderung endlich mal wieder ein richtiges Feuer machen und Kartoffeln und Kumara (hier heimische Süßkartoffel) darin braten können. - Mmmmmh!!!
Wir hielten uns nur zwei Tage am schönen See auf, da wir für längere Touren keine passende Ausrüstung zur Hand hatten ...
Weiter gings Richtung Osten nach Blenheim...

In Blenheim haben wir uns im Wither Hills Vine Estate um einen Job als Weinarbeiter beworben - einen Tag später hatten wir ein kleines Vorstellungsgespräch und noch einen Tag später standen wir morgens um sieben Uhr mit anderen Ahnungslosen zwischen den Weinstöcken - angestellt als "Fruit-Thinner" und "Leaf-Plucker".
Die Arbeit war nicht besonders anstrengend, bis auf das ständige Herunterbücken zu den Reben vielleicht, sie war hauptsächlich eintönig. In der Gegend um Blenheim fällt so gut wie nie Regen und es ist sehr heiß. Tatsächlich gibt es hier die meisten Sonnenstunden der Südinsel. Im Hintergrund von Blenheim erheben sich zahllose ausgedorrte Hügel (-> Wither heisst ausgetrocknet) Jeden Nachmittag nach getaner Arbeit und Schwitzen im Weinberg gings ins nahe Schwimmbad zum Abkühlen und Säubern. Es blieb nämlich nicht sehr lange beim braven Abklippen der überzähligen Weine ... schon bald begannen regelrechte Traubenschlachten. Mit unseren Mitstreitern haben wir uns ausgezeichnet verstanden. Zwei waren Engländer, eine war eine Kiwi, eine war Französin und zwei aus Japan. Gemeinsam haben wir uns Spiele überlegt, um den Weinbergalltag etwas lustiger zu gestalten. Zum Beispiel: man darf nur auf heruntergeschnittenen Trauben stehen den ganzen Tag oder eine Traube auf dem Kopf balancieren während dem Schneiden oder ...

Wir haben während unserer Arbeitsperiode natürlich weiterhin im Bussi genächtigt, der sich jeden Abend mit den fahrbaren Untersätzen unserer Kollegen am Rarangi Beach getroffen hat. Abends haben wir dann gemeinsam gekocht, geratscht, Musik gemacht und über unsere herausfordernde Arbeit gefachsimpelt. Unser Alltagsenglisch hat von unserem Arbeitseinsatz und unseren Kollegen deutlich profitiert ...


Die ganze Woche über waren wir in Blenheim - wir wollten auf keinen Fall auch noch unser Wochenende hier verbringen. Kurzentschlossen sind wir dann Richtung Westen gefahren - weg von Wein und weg vom zu heißen Sommerwetter. Die Westküste hat uns, wie erwartet, mit Regen und starkem Wind begrüßt, was wir unter diesen besonderen Umständen sogar richtig genießen konnten. Hatten wir doch schließlich die ganze Woche im Weinberg geschwitzt und gebraten...

An der Westküste fuhren wir erst Richtung Norden nach Karamea ins Opara Basin. Dort gibt es gewaltige Kalksteinfelsen und ein weit verzweigtes Höhlensystem, das sich im nativen Regenwald über 15 km erstreckt. Die Landschaft ist wunderschön. Moosbeladene Bäume beugen sich über den Opara River, erleuchtet durch das sanfte Licht das durch den dichten Wald fällt. Leider konnten wir die Höhlen nicht begehen. Sie sind brüchig und deshalb ist ein Besuch nur in Begleitung eines Führers erlaubt. Man findet in ihnen Relikte von bis zu 50 Tierarten, einschließlich Skelette des ausgestorbenen Moa und des Neuseeland-Adlers.

Unsere Route führte uns weiter der Westküste entlang zurück und noch weiter nach Süden. In Punakaiki besichtigten wir die berühmten Pancake-Rocks mit ihren Felslöchern. Kalksteinwände wurden in vielen, vielen Jahren durch Regen, Wind und salzige Luft zu geschichteten Felsformationen ausgewaschen, die aussehen wie unzählige aufeinandergeschichtete Pfannenkuchen. Über lange Zeit hinweg sind durch kohlendioxidhaltigen Regen, der sich in den Kalkstein gefressen hat, Höhlen entstanden. Bei Hochwasser bilden sich in diesen unterirdischen Höhlen sogenannte "Blowholes", in die die Wellen unter großem Druck hineingepreßt werden, wo sie sich dann in sprühenden Schauern entladen.

Den Weg zurück an die Ostküste nahmen wir über den Lewis Paß. Hier besuchten wir bei herrlich-schaurig-scheußlichem Wetter die kleine Stadt Hanmer Springs, die für ihr Thermalwasser berühmt ist. Genüßlich haben wir uns in den heißen Pools gar gekocht - es gab welche bis zu 42°C. Allerdings haben wir nun wieder Angst, uns ein paar Amöben eingefangen zu haben... es gibt für jedes Becken einen extra Bademeister, der darauf achtet, dass keiner den Kopf unter Wasser streckt. - Eben wegen den Amöben.
Kaum waren wir wieder an der Ostküste, hatte uns auch schon der Sonnenschein wieder. Unser "kleiner" Ausflug hat uns super gefallen - auch wenn wir sehr viel im Auto gesessen sind ... in zweieinhalb Tagen haben unseren Kilometerstand um 1600 km erhöht! Danach ging noch für eine grausame Woche der Weinrebenschnibbelalltag weiter. Immerhin haben wir von dem Pinot Noir Weinberg zu einem Chardonnay-Weinberg gewechselt. Die Tätigkeit wurde aber etwas aufwendiger, weil die Chardonnay-Pflanzen auf exakt 33 Trauben zugeschnitten werden sollten. Jede Inventur im Kaufhaus macht da mehr Freude. Ein guter Aspekt an der Weinbergarbeit waren aber auf alle Fälle die beeindruckenden Sonnenaufgänge über dem Meer, die wir gezwungener Maßen bewundern mussten... - und sehr genossen haben.

Unsere Arbeit im Weingut "Wither Hills" ist nun beendet. Am letzten Tag haben wir abends mit unseren Kollegen in der Monkey Bay mit einem Barbeque gefeiert. Selbstverständlich haben wir viel Wein getrunken ... allerdings nicht "Wither Hills"-Wein - da wäre unser Lohn gleich den Bach hinunter.
Bevor wir Blenheim verlassen, wollten wir unbedingt noch eine Tour durch die vielen Güter hier machen. Ich wollte nicht sooo viel trinken, also habe ich mich bereit erklärt als Fahrer zu fungieren. Natürlich haben wir auch "unseren" Wither Hills Wein probieren müssen. Die Weinproben waren sehr nett und gut, aber der krönende Abschluß unserer Tour war auf jeden Fall das Tasting in der neu eröffneten Schokoladen- und Pralinenfabrik ... :-)

Unseren letzten Abend in Blenheim verbringen wir in der Whites Bay.
Wie schon viele Abende zuvor werden wir den unglaublich klaren Sternenhimmel bewundern und viele Sterne sehen, die wir auf unserer Seite der Welt nie zu Gesicht bekommen. Ein paar Sternbilder der südlichen Hemisphäre haben wir bereits gelernt ... Wenn es Nacht wird, ist es hier vollkommen dunkel. Es gibt keine Straßenlaternen und vor allem keine Lichtverschmutzung durch große Städte oder Flughäfen wie bei uns zuhause. Die Sterne leuchten so intensiv und so hell und sogar die beiden Schwestergalaxien der Milchstraße sind perfekt zu erkennen.

Morgen werden wir unsere Reise Richtung Süden fortsetzen.
Ich weiß noch nicht, von wo aus wir uns das nächste Mal melden werden. Eins ist jedenfalls klar: nach so viel harter Arbeit im Weingut brauchen wir jetzt erstmal wieder ausgiebig Urlaub.

Hier sind wieder einige Bilder:
Im Norden der Südinsel


Hier ist unsere Reiseroute:


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