Wieder liegt eine große Etappe unserer Reise hinter uns. Wir haben die Nordinsel einmal komplett durchfahren und die Cook Strait mit der Autofähre gekreuzt. Nun sind wir auf der Südinsel Neuseelands angekommen, wo wir die nächsten zweieinhalb Monate verbringen werden.
In den letzten Tagen haben wir mit unserem Bussi die 5000-gefahrene-km-Marke erreicht und mit unseren Beinen insgesamt ca. 3500 Höhenmeter erklommen. Sowohl für den Van als auch für uns nicht immer ganz einfache Zeiten. - Und dann war da ja auch noch Weihnachten. - Aber lest doch einfach selbst...
- Alpine Crossing
Lange mussten wir auf gute Wetterverhältnisse warten, aber schließlich war es am 22.12. soweit. Früh morgens um 6 Uhr haben wir das erste Shuttle genommen um so viel Zeit wie möglich zu haben. Zusätzlich zum Crossing wollten wir nämlich noch Mt. Ngauruhoe (2287 m) besteigen. Er ist erst 2500 Jahre alt und damit deutlich jünger als die anderen beiden Vulkane im Park. Im Kontrast zu Ruapehu und Tongariro, die mehrere Schlote haben, besitzt Ngauruhoe nur einen. Außerdem ist er als Einziger konisch und perfekt symmetrisch geformt, was ihm zu seiner Starrolle als Mt. Doom ("Herr der Ringe") verholfen hat.
Das Crossing an sich war recht einfach zu bewältigen, die Steigungen waren annehmbar und die Wege gut zu laufen. Unser kleiner Ausflug auf den "Höllenberg" (wie wir ihn nur noch nennen) jedoch, hat uns einiges an Kraft und Zeit gekostet. Weglos haben wir uns über Vulkangeröll, Asche und schwefeligen Sand jeden Höhenmeter steil nach oben gekämpft. Zwei Schritte vor und einen zurück. Es war ziemlich anstrengend und extrem kraftraubend - aber schließlich haben wir's geschafft und waren die Ersten oben am Kraterrand. Der Ausblick war traumhaft! Wir konnten sogar bis hinüber zum Mt. Taranaki sehen, der ca. 150 km entfernt ist. Weitere Highlights der Wanderung waren die schwefelgelben Emerald-Lakes und der Red Crater. Das Land, das man rundherum sieht - ganz öde, leer und dunkel - ist Mordor.
Leider haben auch sehr viele andere Leute das Crossing an genau diesem Tag gemacht und auf der "Hauptstrecke" war ziemlich viel los. Wenn man sich auf eine einsame Bergtour gefreut hat, ist das nicht so schön.
Das letzte Stück unserer Route sind wir gejoggt, weil wir den ersten Shuttle-Bus zurück sonst ganz knapp verpasst hätten. Wir waren aber ganz flink und haben es noch erwischt ... :-)
- Weihnachten
Beim Alpine Crossing haben wir Vicky und Sven kennengelernt. Mit ihnen sind wir 4 Tage herumgereist, haben Feuer gemacht und Würstchen gegrillt, viel geratscht - und Weihnachten gefeiert. Gemeinsam sind wir am Heilig Abend zum Mongolian BBQ gegangen. Nicht ganz das, was man sich unter einem Weihnachtsessen vorstellt. Aber es war lecker und wir hatten einen sehr netten Abend zusammen. Auch die Christmette, die wir besucht haben war seltsam. Das Lieblingskirchenweihnachtslied hier heißt "Hark! The angels sing ..." und nicht "Stille Nacht" wie bei uns. Der Geräuschpegel in der Kirche war sehr hoch und von der Predigt haben wir deshalb und wegen unserer ungünstigen Sitzplätze fast nichts gehört.
In den ein oder anderen Heilig-Abend-Weihnachts-Minuten kam sogar ein bißchen Heimweh auf bei uns, aber wir hatten nie lang Zeit für sehnsüchtige Heimats-und-Familien-Gedanken...
Am ersten Weihnachtsfeiertag hat die Inhaberin unseres Hostels ein typisch neuseeländisches Mittagslunch veranstaltet. Sie sagt, wenn ihre Kinder so weit entfernt in einem fremden Land an Weihnachten wären würde sie sich auch wünschen, dass sich jemand um sie kümmert. - Echt lieb, oder? Das Essen war sehr gut, nur für die Nachspeise konnte ich mich nicht so sehr begeistern. Pavlova - eine neuseeländische Spezialität. Sie ist wie ein Obstkuchen getarnt und bei ihrem Anblick hab ich mich gefreut, denn so was gibts hier eigentlich nicht... Statt gutem Bisquit- oder Kuchenteig war da aber nur Bisée - ca. 7 cm hoch. Rundherum war Sahne und oben drauf eine (!) einzige Kiwi in Scheiben geschnitten. Es war eigentlich nur süß und pappig und sahnig. Der Leo fand die Pseudo-Torte aber ganz toll - er hat drei eigene und die Hälfte von meinem Stück verdrückt!
- Mt. Taranaki
Der heilige Vulkan der Maori brach zuletzt im Jahre 1775 aus und wurde vom berühmten Entdecker Captain Cook Mt. Egmont genannt. Laut einer uralten Maorilegende stand der Berg in früheren Zeitaltern mitten auf dem Zentralplateau neben Mt. Ruapehu, Mt.Ngauruhoe und Mt. Tongariro (siehe oben). Als er mit Pihanga, der schönen Vulkan(in) neben Lake Taupo und Geliebten Mt. Tongariros, erwischt wird, muss er fliehen. Auf seiner Flucht in den Süden (manche sagen in Schande, manche sagen um den Frieden zu bewahren) schnitt er tiefe Wunden in die Erde. Seine kristallklaren Tränen füllten die Risse und bildeten so den heutigen Wanganui River. Schließlich ließ sich der Vulkan mit dem gebrochenen Herzen, majestätisch und einsam, im Westen an seiner heutigen Position nieder. Die Legende besagt weiter, dass die Wolken um seinen Gipfel herum die Tränen verbergen sollen, die der Berg noch immer um seine verlorene Liebe weint. Die Maori haben die Gegend zwischen Taranaki und Pihanga nicht besiedelt, aus Angst vor einer Wiedervereinigung der beiden Liebenden in einem gewaltigen Vulkanausbruch.
Berühmt wurde der Berg auch durch den Film "The Last Samurai" mit Tom Cruise, in dem er Mt Fuji darstellte.
Unsere 7,5 h Tour führte uns durch nun schon wohlbekanntes Vulkangeröll, Felsen und dichten Schnee. Ca. 1500 Höhenmeter gings nach oben. Es war strahlender Sonnenschein, leider allerdings die üblichen Taranakiwolken unter dem Gipfel. So blieb uns der Ausblick über das Umland und die Gipfel des Tongariro Nationalparks leider verwehrt. Die Wanderung war trotzdem sehr schön und wir waren stolz, dass der 2520 m hohe Taranaki noch in unseren Zeitplan gepasst hat. Vor allem der Leo hat sich sehr gefreut - schon in Deutschland hatte er sich diesen Berg ganz besonders in den Kopf gesetzt.
- In den Süden
Auf den schwarzen Felsen entlang der Küste leben mehrere Seehundkolonien. Ich wusste nicht, dass man die in Neuseeland einfach so in der freien Natur beobachten kann. Es war wirklich toll! Die Seehunde liegen da einfach auf den warmen Steinen und lassen sich die Sonne auf den dicken Bauch scheinen. Sie interessieren sich überhaupt nicht für Menschen, haben sich aber auch nicht an unserer Anpirsch-und-Foto-Aktion gestört. Wenn man in der Nähe der Robben ist, muss man darauf achten, nie zwischen ihnen und dem offenen Meer zu sein. Wenn ihr Fluchtweg versperrt ist kriegen sie nämlich Angst und gehen eventuell auf einen los ...
Wellington - die Hauptstadt Neuseelands - war seit langer Zeit mal wieder eine richtig große Stadt für uns. Stellt euch vor, hier haben wir sogar eine Bäckerei mit richtigem Brot gefunden! Wir haben die üblichen Sights besichtigt und waren - unser größtes Highlight - im Embassy Theatre im Kino. Dieses Kino wurde 2003 für die Weltpremiere von "Herr der Ringe" sehr nobel renoviert. Im Kinosaal sind Ledersitze und neben jedem Platz eine Goldplakette auf dem der Name desjenigen Schauspielers geschrieben ist, der bei der Premiere hier saß. Nach unserem Film ("Australia") sind wir dann mal auf den Sesseln von Frodo (Elijah Wood) und Liv Tyler probegesessen.
Am 31.12. hat die große Interislander-Autofähre uns und unseren Bussi verschluckt und wohlbehalten auf der Südinsel in Picton wieder ausgespuckt. Die Fahrt durch die windige Cook Strait und die traumhaften Marlborough Sounds haben wir bei schönstem Sonnenwetter auf dem obersten Deck genossen.
Das neue Jahr haben wir auch in Picton begrüßt. Es gab ein großes Event am Strand. Bands haben gute Musik gespielt (und wir haben seit langer Zeit mal wieder getanzt), es gab Freigetränke und um Mitternacht ein tolles Feuerwerk über dem Meer. So ging das Jahr 2008 zu Ende und 2009 nahm seinen Anfang...
Wir haben im letzten Jahr unglaublich viel erlebt und gesehen. Ich kann mir kaum eine ausgefülltere Zeit denken. Wir haben eine große Hochzeit geplant und erlebt, eineinhalb Umzüge gemeistert, eine Promotion und mehrere Leo-Arbeitsprojekte abgeschlossen, ich einen Arbeitsplatz aufgegeben und einen neuen gefunden, eine aufwändige Auslandsreise vorbereitet und sie schließlich auch angetreten. Wir haben ein Jahr voller Spannung, Freude, Staunen, Streß, Nervenzerreißen, Lachen und Abenteuer erlebt. Ein Jahr, dass wir nicht missen möchten, weil es so nie wiederkehren wird. Wir freuen uns, dass jeder Einzelne von euch diese aufregenden Zeiten mit uns geteilt hat!
Wir wünschen euch allen für das Neue Jahr alles Gute, Gottes Segen und viele spannende Abenteuer ...
Hier sind einige Photos:
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| Alpine Erlebnisse, Seehunde und die Reise in den Süden |
Hier könnt ihr unsere Reiseroute nachverfolgen:
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Wuäähhh ich will auch so schöne Sachen erleben und nicht in der schule sitzten.. huhuhu
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