Samstag, 20. Dezember 2008

Coromandel - King Country - Rotorua - East Cape



Nach zwei Wochen ausgiebigem Herumgereise haben wir endlich wieder Zeit und Internet um einen neuen Reisebericht in unseren Blog zu stellen. Auf den letzten 3000 km haben wir wieder sehr viel erlebt. Hier folgt ein kleiner Ausschnitt daraus:

  • Coromandel (9.-12.12.): Die Coromandel Peninsula ist eine relativ große Halbinsel westlich von Auckland. Sie ist für ihre rauh-wilde Schönheit und leider auch für ihre häufigen Regenfälle berühmt. Vor allem die Westküste der Coromandel ist ziemlich verwaist. Es gibt hier einige Städte, die aber ziemlich verschlafen sind... Ursprünglich wollten wir gleich am ersten Tag bis ganz an die Nordspitze hochfahren, mussten unsere Pläne jedoch an das regnerisch-bewölkte Wetter anpassen. In Colville wollten wir einen Tag abwarten um dann bei besserem Wetter die tollen "Views" der Nordspitze genießen zu können. Wir haben einen ganz tollen Platz bei lieben Leuten auf einer Farm gefunden, wo wir auch gleich beim Lämmchen-mit-der-Flasche-füttern in die Arbeit miteinbezogen worden sind... Mein großer Wunsch ging in Erfüllung, da es auf der Farm auch viele Pferde gab. Ich habe mich also für einen 2-stündigen Ausritt angemeldet und war mehr als freudig-überrascht, dass auch der Leo mit wollte. Mit der Tochter der Farmersfrau haben wir einen schönen Ausritt zum Strand gemacht - auch der Leo ist mit seinem "Siggy" dort ganz allein galoppiert und nicht runtergefallen! Der Ausflug war wirklich toll! Die folgende Woche hatten wir allerdings einen nicht-schlechten Muskelkater. Dann ging die Reise weiter zum Port Jackson und der Fletcher Bay, wo wir einen Coastal Track zur Stony Bay unternommen haben. Uns wurde gesagt, dass es hier besonders viele Stachelrochen zu sehen gibt und dass sie herkommen, wenn man im Wasser schnorchelt... irgendwie hat uns das Meer dann nicht mehr so gelockt. Habt ihr schon mal vom berühmten Hot Water Beach gehört? Der liegt an der Ostküste der Coromandel - hier gibt es die schönsten weißen Strände der Nordinsel zu sehen. Am Hot-Water-Beach kann man sich immer zwei Stunden vor und nach der Ebbe ein Plätzchen im Sand vor den Felsen reservieren und mit einer Schaufel eine Art Badewanne (nicht tief, vielleicht 40 cm) in den Sand graben. Sofort füllt sich das geschaufelte Loch mit richtig heißem Wasser und - voila, der persönliche Spa Pool ist fertig. Es gibt unter den Felsen heiße Thermalquellen, die nur darauf warten aufgegraben zu werden. Man liegt dann da so in seiner Sandbadewanne, verbrennt sich hie und da das Hinterteil wenn man zu lange auf einer heißen Stelle sitzt und genießt den atemberaubenden Blick auf die riesigen Wellen des Meeres direkt vor sich. Es gibt hier auch einige Surfer, aber man sollte nicht baden; die Wellen sind viel zu hoch und es gibt gefährliche Strömungen. Na ja, so eine thermalwassergefüllte Sand-Badewanne ist ja auch ganz schön. Direkt in der Nähe des Hot-Water-Beaches befindet sich Cathedral Cove. Auch so eine typische Touristenattraktion - aber wirklich schön! Das Meer hat aus dem weißen Fels ein gigantisches Loch, in Form eines Kathedralenfenster-Bogens, herausgeschwemmt. Durch diesen Bogen sieht man das blaue Meer dahinter...


  • King Country (12.- 14.12.): Das Herz der Nordinsel. Hier fließt der größte Fluss Neuseelands - der Waikato River. Das Land ist sattgrün und sanft hügelig. Besucher aus England wundern sich hier, warum sie so weit geflogen sind um dann die gleiche Landschaft wie zu Hause zu sehen. Einige Städte hier (z.B. Cambridge) wurden mit viel Mühe ihrer Einwohner ganz im Stil ihres Mutterlandes erbaut. Peter Jackson hat diese Gegend als "Shire" im berühmten Film "Lord of the rings" abgebildet. In der schönen Stadt Hamilton haben wir die berühmten "Hamilton Gardens" besucht. Eine Art botanischer Garten für jedermann. Es gibt verschiedenste Abteilungen, so z.B. einen englischen, chinesischen, japanischen, indischen, italienischen und Maori-Garten, Kräutergärten der ganzen Welt, einen Schildkrötensee und vieles mehr... Nicht ganz so hübsch und geschmackvoll wie die Gärten war die Weihnachtsdekoration in der Innenstadt. Vor allem der Christbaum. Das größte Highlight des King Country sind die Waitomo Caves - Höhlen mit erstaunlichen geologischen Formationen und leuchtenden Würmern. Das Maoriwort Waitomo kommt von Wai (= Wasser) und tomo (= Loch, Schacht). Es gibt in dieser Gegend über 300 Höhlen, und vielleicht noch viele mehr, die man noch nicht entdeckt hat. Da die Gegend von wahren Touristenströmen heimgesucht wird, gibt es hier verschiedenste Touren und Untergrundabenteuer, an denen man für viel teures Geld teilnehmen kann. Wir haben uns für eine Tour von Spellbound entschieden und haben mit nur zwei anderen Leuten eine wunderschöne Höhlenführung bekommen. Hat man sich nach etwa einer Viertelstunde an die Dunkelheit gewöhnt, sieht man Tausende grün-leuchtende Pünktchen an der Höhlendecke. Das sind die Glühwürmchen. Kleine weiße, fadenförmige Würmer, die es sich an der Decke gemütlich gemacht haben. Sie spinnen bis zu 50 durchsichtige Fäden, die senkrecht nach unten hängen. Mit dem Glühen ihres Hinterteils versuchen die Würmer dann Insekten in ihre klebrigen Fangfäden zu locken. Mit dem Boot unter diesen leuchtenden Pünktchen durchzufahren, in dieser dunklen und kühl-stillen Atmosphäre, war wirklich ein einmaliges Erlebnis. Wir haben uns hier noch mit meiner "alten" Schulfreundin Barbara getroffen (Manu, kannst du's glauben? Ich habs wirklich geschafft!). Sie arbeitet in den Höhlen als Caveguide und ist schon eine halbe Neuseeländerin geworden (worauf sie stolz ist, gell Barbara?).


  • Rotorua (14.- 15.12.): Rotorua hat uns schon aus einiger Entfernung mit seinem typischen Gestank begrüßt. Hier (und in Taupo) ist das vulkanisch aktivste Gebiet Neuseelands. Über der Stadt liegt ein starker Schwefelgeruch, der einem spätestens nach einigen Stunden Kopfschmerzen bereitet. An jeder Straßenecke und aus jedem Garten steigt Dampf aus blubbernden Wasser- und Schlammpfützen. Sogar im Kirchenhof gibt es eine große rauchende Duftquelle. Die Einwohner müssen immun gegen den üblen Geruch geworden sein. Anders können wirs uns nicht erklären dass dort Menschen und Tiere leben wollen. Es gibt auch zahllose heiße Quellen unter 60 Grad Celsius in denen man sich und seine Gebrechen einlegen kann. Manche Wasserlöcher sollen heilende Wirkungen entfalten sofern man nicht auf eine im heißen Wasser lebende Amöbenart trifft, die einem den Gar aus machen will. Leider kosten diese Annehmlichkeiten viel Geld und die ganze Gegend ist ziemlich stark touristisch. Wir haben uns deshalb entschlossen eine der wenigen kostenlosen Heißwasserbadeorte aufzusuchen. Einige Kilometer entfernt von Rotorua gibt es mitten im Wald (LonelyPlanet sei Dank) den sogenannten Keroseene Creek. Einen Bach mit angenehmer Badewannentemperatur. In diesen haben wir uns sogleich hineingelegt und uns von der heißen Wassertemperatur verwöhnen lassen. Zum Glück war es an diesem Tag relativ kühl und bewölkt. Das Erlebnis wäre nämlich an einem heißen Tag eine sehr schweißtreibende Angelegenheit gewesen. Falls keine der Amöben ihren Weg in unsere Körper gefunden hat (die ersten Anzeichen der Amöbenseuche stellen sich nach drei bis sieben Tagen ein) war der Besuch ein wirkliches Highlight.


  • East Cape (15.-18.12): Weil die Wettervorhersage für die Westküste so schlecht war haben wir unsere Reisepläne kurzfristig geändert und sind an die Ostküste gefahren. Sie genießt den Ruf der trockenste Landabschnitt Neuseelands zu sein. Über Whakatane sind wir ans East Cape gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir in Whanarua Bay einen Zwischenstopp in einer Macadamia Nuss Farm gemacht. Sie verkaufen sehr leckeres selbstgemachtes Macadamianuss-Manukahonig-Eis und Nussshortbread. Wir haben uns dort genüsslich unsere Bäuchlein vollgeschlagen und uns für die weitere Fahrt gleich mit einem kleinen Vorrat eingedeckt. Die Straße zum East Cape führte entlang der Küste und bot atemberaubende Aussichten. Wir mussten auf der Schotterpiste sehr vorsichtig fahren, da uns immer wieder freilaufende Pferde, Schafe, Kühe und sogar Ochsen begegneten. Der EastCape-Leuchtturm ist der östlichste Leuchtturm der Welt. Von dort oben hat man einen wirklich schönen Ausblick über das Land und den südlichen Pazifik. Direkt vor dem Cape liegt das vereinsamte East Island - vor vielen Jahren stand hier der Leuchtturm, bevor er wegen natürlichem Inselschwund an seinen jetztigen Standpunkt versetzt wurde. Die Gegend im Osten unterscheidet sich schon maßgeblich von z.B. King Country. Das Gras ist eher bräunlich-gelb und es wohnen viele - eigentlich fast ausschließlich - Maori hier. Die Dörfer machen teilweise einen ziemlich heruntergekommenen und ungepflegten Eindruck. Im Reiseführer steht auch immer wieder, dass man hier besonders vorsichtig sein soll wegen Autodiebstahl... Unser Bussi hat aber eine eingebaute Diebstahlsicherung - zumindest klebt so ein komischer Aufkleber auf ihm, auf dem das steht. Wahrscheinlich ist damit gemeint, dass ihn niemand außer dem erfahrenen Bussi-Kenner anlassen und fahren kann. Gisborne nennt sich stolz die Stadt, die die Sonne als erste aufgehen sieht. Die Gegend um Gisborne herum ist außerdem berühmt für ihre Weinanbaugebiete. Wir haben deshalb gleich um 10 Uhr morgens an einem Winetasting des Goldenwine Estate teilgenommen. Jeder von uns hatte 6 Weine zum Probieren, was um diese Uhrzeit und mit nur ein bißchen Müsli im Magen ganz schön viel ist. Eine Stunde lang haben wir geschnüffelt, geschmeckt und geschlürft. Sogar wir Weinbanausen haben Unterschiede im Geschmack bemerkt. Die "Nuance an Grapefruit" oder den "Hauch von Rosenblüten" und den "Abgang wie Kaffee und Cookies" gingen allerdings an uns vorüber. Der dazu gereichte Käse war jedoch vorzüglich und hatte einen grünlichen Hauch von - Schimmel. Vielleicht sollten wir uns auf Käsetastings spezialisieren... Über viele Berge und an langen weißen Stränden vorbei sind wir an der Ostküste bis nach Napier gefahren. Die Stadt wurde 1930 durch ein Erdbeben zerstört und dann im damals aktuellen Art-deco-Stil wieder aufgebaut. Napier ist endlich mal eine NZ-Stadt mit Charakter und Charme. Die meisten anderen Städte hier sehen gleich aus. Eine fette Hauptstraße in der Mitte und links und rechts ein paar Geschäfte im Wildwest-Stil. Keine Fußgängerzonen, keine gemütlichen Cafe`s, keine Altstadt, ... In Napier haben die Häuser hübsche pastellfarbige Fassaden mit ZigZagMustern, es gibt viele verträumte Bars und Cafe`s, eine sehr schöne Strandpromenade und vor allem keinen hässlichen Weihnachtsschmuck. Napier ist einfach gemütlich! Die Temperaturen waren hochsommerlich und etwas geknickt traten wir unsere Weiterreise nach dem deutlich kühleren Taupo an.
Im Moment warten wir auf bessere Wetterverhältnisse um im Tongariro Nationalpark das Alpine-Crossing zu machen. Die angeblich beste Ein-Tagestour in Neuseeland. Wir sind schon gespannt was uns erwartet ...

Unsere Photos:
Coromandel, Waitomo und East Coast

Hier könnt ihr unsere Reiseroute nachverfolgen:


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3 Kommentare:

  1. Hallo Ihr Zwei,>br>vielen Dank für die Karte. Herzlichen Glückwunsch zum Doktortitel und habe Eure Homepage gelesen: Einfach toll! Wünsche Euch ein schönes Weihnachtsfest und ein frohes neues Jahr! Melde mich wieder mal im neuen Jahr!
    Herzliche Grüße
    Oma

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  2. Liebe Oma. Toll, dass du unsere Reise sogar übers Internet mitverfolgst. Wir vermissen schon die guten Knödel!!!
    Alles Liebe, Miriam und Leo

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  3. Hee, ich vermisse auch die Knödel!
    Und die Miriam!
    Und den Leo!
    Und die Oma!
    Liebe Grüße
    Gina

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